7.04.2017 06:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Depression: Eine leise Erkrankung
Fast jeder Mensch ist manchmal traurig, unglücklich oder lustlos, doch manchmal kommt man nicht mehr raus aus dem tiefen Loch: Etwa jeder Fünfte erkrankt einmal im Leben an einer Depression.

Der Weltgesundheitstag am Freitag will besser über die Krankheit aufklären und über Behandlungsmöglichkeiten informieren. Ein Überblick:

WORAN IST EINE DEPRESSION ZU ERKENNEN?
Eine Depression lässt sich klar von normalen Stimmungsschwankungen abgrenzen. Als Kernsymptome gelten gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit und Antriebsmangel, die über mindestens zwei Wochen anhalten. Hinzu kommen weitere Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Konzentrationsschwäche, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, Energielosigkeit, vermindertes sexuelles Interesse oder auch Gedanken an den Tod. Ulrich Hegerl, Chef der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, spricht von einer «leisen Krankheit». Viele Betroffene haben oft weder Hoffnung noch Kraft, sich professionelle Hilfe zu holen. Auch körperliche Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Schmerzen oder Schwindel können vorliegen. Bei jedem kann dies anders ausgeprägt sein. Unterschieden wird in leichte, mittelschwere und schwere Depressionen.

WIE ENTSTEHEN DEPRESSIONEN?
Das ist bisher nicht genau bekannt. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wird davon ausgegangen, dass biologische Vorgänge, psychische Faktoren, die persönliche Situation und besondere Ereignisse im Leben dabei zusammenwirken.

WELCHE RISIKOFAKTOREN GIBT ES?
Beispiele sind traumatische Erlebnisse in der Kindheit wie Missbrauch, ferner Angststörungen, eine Alkohol-, Tabletten- oder Drogenabhängigkeit sowie Erkrankungen wie ein Schlaganfall, Krebs oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Manchmal stürzen auch tragische Ereignisse wie der Tod eines geliebten Menschen oder eine Trennung, anhaltender Stress oder Einsamkeit Menschen in ein Loch. Auch biochemische Veränderungen können mitverantwortlich sein. Bei einer Depression ist der Stoffwechsel im Gehirn verändert, Nervenreize werden langsamer übertragen. Auch bestimmte Botenstoffe und hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen.

GIBT ES EIN ERBLICHES RISIKO?
Eine Depression kann erblich mitbedingt sein. Ein Hinweise darauf kann sein sein, dass die Erkrankung auch schon bei anderen Familienmitgliedern häufiger auftrat.

WIE WIRD EINE DEPRESSION BEHANDELT?

Depressionen sind meist gut mit Medikamenten und Psychotherapie, zum Beispiel einer Verhaltenstherapie, zu behandeln. In manchen Fällen können auch andere Methoden wie eine Lichttherapie oder eine sogenannte Wachtherapie in Frage kommen. Nach der Akutbehandlung geht die Therapie weiter, dann steht der Schutz vor einem Rückfall im Vordergrund. Bei vielen Menschen klingen die Symptome nach Wochen oder Monaten auch ohne Behandlung wieder ab.

WAS KÖNNEN ANGEHÖRIGE ODER BEKANNTE TUN?

Sie sollten Betroffene darauf ansprechen und ihnen helfen, professionelle Hilfe zu suchen. Oft hilft es schon, wenn ein Angehöriger einen Termin ausmacht und den Kranken zum Arzt begleitet. Neben dem Hausarzt als erste Anlaufstelle gibt es entsprechende Fachärzte und den sozialpsychiatrischen Dienst vor Ort.

KÖNNEN AUCH KINDER ERKRANKEN?
Ja, Studien zufolge ergeben sich bei fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen Hinweise auf depressive Störungen. Diese sind aber oft schwer zu erkennen, weil sie unter anderem häufig von Verhaltensproblemen wie Aggression, Hyperaktivität und Lerndefiziten überlagert werden.sda

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE