1.02.2016 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Irland
Der Brennstoff aus dem Moor
Torf ist als fester Brennstoff auf den britischen Inseln, in Skandinavien und dem Baltikum noch heute verbreitet. Er besteht aus über Jahrtausende zusammengepresstem organischen Material, das im sauren Milieu von Mooren nicht verwest. Der Torf wird zu rechteckigen Stücken geschnitten, getrocknet und kann dann verbrannt werden.

Rund zwanzig Prozent der gesamten Fläche der Republik Irland besteht aus Mooren. Zum Vergleich: In der Schweiz nehmen Moore nicht einmal ein Prozent der Landesfläche ein.

Torf wächst ein Millimeter pro Jahr


Die meisten Moore in Irland sind aus Seen entstanden, die sich nach dem Rückzug der Gletscher nach der letzten Eiszeit vor 10'000 Jahren gebildet haben, wie Katie Geraghty vom «Bog of Allen Nature Centre» im ostirischen Lullymore erklärt. Das «Nature Centre» ist ein kleines Museum mit Garten rund um Moore und Torfabbau. Der dazugehörige «Irish Peatlands Conservation Council» setzt sich für den Schutz der Moorlandschaften Irlands ein.

Torf «wachse» nur rund ein Millimeter pro Jahr, erklärt Geraghty. Der ehemalige Seegrund schirmt die Moore vom Grundwasser ab - sie werden nur von Regenwasser genährt. Dadurch bilde sich in den Mooren ein saures Milieu und das organische Material verwese nicht, sagt Geraghty.

Speichert CO2

Allerdings sind die Moore nicht besonders nährstoffreich, und nur bestimmte Moose und Gräser wachsen darauf. «Der Torf für Blumenerde muss mit zusätzlichen Nährstoffen versehen werden», erklärt sie. «Eigentlich wird er nur wegen seiner Konsistenz und nicht seinen Nährstoffen als Blumenerde gebraucht.»

Die Moore sind nicht nur «seltene Lebensräume» wie das die EU in ihrer Habitats-Richtlinie zum Moorschutz festhält. Sie speichern auch CO2. Wird Torf aus den Mooren gestochen, so entweicht das CO2 in die Atmosphäre, wie Umweltfilmer Duncan Stewart erklärt. Und dies auch, ohne das Torf verbrannt würde - nur allein dadurch, dass das Moor «angeschnitten» sei.

Stromproduktion mit Torf

In Irland werden auch ein halbes Dutzend Kraftwerke betrieben, welche Strom gewinnen, in dem sie Torf verbrennen. Den Torf für die Kraftwerke liefert die halbstaatliche Firma Bord na Móna, welche in grossem Stil Moorboden abbaut. Die Firma produziert aber nicht nur den Brennstoff für die Kraftwerke, sondern auch Bricketts für Privatkamine. Zudem gewinnt sie aus den Mooren Material für Blumenerde. Mit rund 2000 Angestellten ist Bord na Móna ein bedeutender Arbeitgeber.

Der Moorschutz ist der Firma nach eigenen Angaben aber ebenfalls ein Anliegen: Im vergangenen Oktober kündigte sie an, bis 2030 keinen Torf mehr zu gewinnen. Stattdessen will sich Bord na Móna vermehrt auf die Sparte der nachhaltigen Energie konzentrieren. Umweltschützer kritisieren aber, dass die Firma bis 2030 sowieso all ihre 8'000 Hektaren Torfland abgewirtschaftet habe.

Auch in der Schweiz wurde einst Torf gestochen

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in der Schweiz begonnen, Torf zu stechen, wie es in einer Studie des Bundesamtes für Umwelt heisst. Die rasch wachsende Bevölkerung brauchte Energie und die Wälder waren damals bereits stark übernutzt, weshalb man auf Torf als Brennmaterial auswich. In vielen Regionen der Schweiz erlangte der Torfabbau wirtschaftliche Bedeutung bis hinein ins 20. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Torf aber durch günstigere Heizmaterialien wie Kohle ersetzt.


In Notzeiten wie den beiden Weltkriegen griff man jedoch wieder auf Torf zurück - mehr als 2,5 Millionen Tonnen Torf seien damals abgebaut worden, heisst es in der Studie. In einzelnen Tälern des südlichen Juras und im St. Galler Rheintal sei noch bis in die 1980-er Jahre Torf gestochen worden. Um 1800 bestanden rund sechs Prozent der Fläche der Schweiz aus Mooren, wie aus der Studie hervorgeht. Heute machen Moore nicht einmal ein Prozent der Fläche der Schweiz aus. Nicht nur die Torfstecherei hat den Mooren zugesetzt, sondern auch die Trockenlegung der Moore zur Gewinnung von Landwirtschaftsland.

Die verbleibenden Moore in der Schweiz sind heute zumeist geschützt. 1987 verankerte das Schweizer Stimmvolk mit der «Rothenturm-Initiative» den Moorschutz in der Verfassung. Welchen Stellenwert der Moorschutz in der Schweiz heute hat, zeigt ein Gerichtsurteil zum Grimsel-Stausee vom vergangenen Dezember. Das bernische Verwaltungsgericht urteilte, die Staumauer dürfe nicht erhöht werden, weil durch den steigenden Seespiegel die national geschützte Moorlandschaft Grimsel teilweise zerstört würde. sda

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE