22.03.2020 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Der Cervelat ist ihnen nicht Wurst
Das Kulturmuseum in Bern ist wohl das einzige in der Schweiz. Die erste Ausstellung trägt den Titel «Cervelat und Brot.» Dabei geht es längst nicht nur um Lebensmittel, sondern auch um Erinnerungen, Tatsachen und Geselligkeit.

Neu gibt es in Bern ein Kulturmuseum, wahrscheinlich ist es  das einzige schweizweit. «Wir sind nur klein. Das müssen Sie unbedingt schreiben», sagt Christoph Balmer. Ihm sei dies wichtig, weil beim  Wort Museum  die Leute meist  Vorstellungen bezüglich Grösse hätten. Der Kulturmanager hat gemeinsam mit Bernhard Jordi und Jann Briner  die Leitung inne. Geführt wird die Institution im Berner Breitenrainquartier als Verein. 

Das Kulturmuseum ist keine Galerie und auch kein herkömmliches Museum.  «Wir wollen für Künstler, Publizisten und Kunstförderer ein Treffpunkt sein, ihnen Gastrecht gewähren und zusammen mit dem Publikum den Begriff Kultur an sich infrage stellen.» Balmer sagt weiter, dass die Ausstellungen und Veranstaltungen  das Publikum zu eigenen Antworten anregen solle. «Offenheit ist unser Prinzip, Aktualität unser Anliegen, Überraschung unser Ziel.» 

Ein Buch

Eröffnet  wurde das Kulturmuseum mit der  Ausstellung «Cervalat und Brot.» Das Thema kommt nicht von ungefähr: «Bei meisten Leuten weckt die Cervelat Erinnerungen», sagt Christoph Balmer und zählt auf: Schulreise, feuchter Stock, Lagerfeuer. Zur Schweizer Nationalwurst gibt es auch ein Buch. Dieses liegt auf dem Tisch, der mitten im  Raum des Kulturmuseums steht.  So ist  nachzulesen, dass spätestens seit der «Cervelatkrise» von 2006 bis 2012, als die Schweiz keine Rinderkranzdärme aus Brasilien einführte, das breite Publikum wisse, wie wichtig die Wursthaut für ein gutes Produkt sei.

Wenn es um die Wurst geht, kommt es auf die Verpackung an, nicht nur auf den Inhalt. Weiter enthält das Buch  Cervelat-Rezepte von Gault-Millau-Koch Beat Caduff. Diese Gerichte wurden  unkonventionell fotografiert und zum Nachkochen gezeigt. Auch werden in Text und Bild  Metzgermeister aus unterschiedlichen Regionen der Schweiz porträtiert. 

Lob für Metzgereien

Apropos Metzgermeister: «Nicht jede Cervelat schmeckt gleich gut», stellt  Christoph Balmer fest. Im  Vorfeld der Ausstellung haben die drei Kulturmuseums-Leiter mit  geladenen Gästen eine Cervelatdegustation durchgeführt. Auf den Tisch kamen «Büezerkoteletts» von Grosskonzernen, Detailhändlern und Metzgereien. «Die Geschmäcker sind verschieden, und so ist auch die Wahl ausgefallen.» Wobei Balmer betont, dass die Wurst aus der Metzgerei mehrheitlich am besten bewertet worden sei.

Ob das auch die Leute so sehen, soll eine Umfrage zeigen. Diese ist auf  der Internetseite  www. kulturmuseum.ch  aufgeschaltet. 

Doch die Wurst ist nicht nur ein beliebtes Lebensmittel von Herr und Frau Schweizer. Auch Künstler sind auf den Geschmack gekommen. So hat der Künstler Pavel Schmidt eigens für das Kulturmuseum Bilder  gemacht. Diese zeigen, wie vielfältig die Wurst sein kann. 

Vielseitig verwendet wird auch der Name. Menschen, die es hierzulande zu Ruhm gebracht haben, werden gerne als Cervelat-Promis bezeichnet. 

Auch Brot

Doch die Ausstellung im Kulturmuseum hat noch mehr zu bieten als  Cervelats. Was wären diese ohne Brot.  «Nirgends geht die Preisschere zwischen Bäckerei und Grossverteiler so weit auseinander wie beim Brot», erklärt Christoph Balmer.  Doch nicht nur preislich gibt es Unterschiede, auch optisch. Davon können sich die Gäste selbst überzeugen. Etliche  Pfünderli runden die Ausstellung ab. Jedes hat seinen Platz, jedes für sich ist ein Kunstwerk. 

Derzeit ist das Kulturmuseum am Schützenweg 22 in Bern wegen des Coronavirus geschlossen. «Selbstverständlich halten wir uns an die Weisungen der Bundesbehörden», sagt Christoph Balmer.

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