1.07.2016 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Der längste Tag hat auch nur 24 Stunden
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Pünktlich zum längsten Tag hat das Wetter umgeschlagen und Tobias konnte endlich das letzte Heu mähen. In der Schule waren wir mit dem Schulfest vom vergangenen Wochenende beschäftigt. Ich unterrichte momentan zirka 60 Prozent. Gerne hätte ich die Antwort eines Mädchens richtig gezählt, als ich fragte, wie viele Stunden denn der längste Tag wohl hat. Sie war der festen Überzeugung, dass es 25 sind. Täglich eine Stunde mehr könnte ich bei diesem gedrängten Programm gut gebrauchen.

Stecken geblieben

Am Donnerstagnachmittag waren wir Lehrpersonen mit dem Bereitmachen der Werkausstellung beschäftigt, als mir Tobias mitteilte, dass er mit dem Traktor und Ladewagen nicht mehr den Hang hinauffahren kann. Auch das Entleeren des Ladewagens löste das Problem nicht. Kurzerhand sprang der Verpächter ein und hat mit seiner alten Madame, einem Schilter mit Jahrgang 1969, Heu eingeführt. Zugegeben, die Lademenge war bedeutend kleiner als beim Traktor, doch besser als nichts. Ich habe dies alles nur via Whatsapp mitbekommen, denn nach der Werkausstellung hatte ich zwei weitere Termine.

Die Sonne ging bereits unter, als ich Töbu fragte, ob ich es nicht einen Versuch wagen dürfe und den Traktor nach oben lenken. Er war zu diesem Zeitpunkt auf der Alp am Misten und willigte ein. „Äs het aus brucht“, doch mit etwas Glück und im kleinsten Geländegang schaffte ich es tatsächlich. Offensichtlich hat es in den vergangenen sieben Stunden abgetrocknet. Am Freitagnachmittag halfen uns der Verpächter und der Nachbar mit ihren Schiltern Heu einführen, so dass wir nicht wieder mit dem Traktor in den Steilhang mussten. Ich überliess die Fahrkünste lieber den Männern und begnügte mich damit, das Heu vors Gebläse zu schieben. Natürlich ist mir bei diesem Manöver keinen Stein aus der Krone gefallen, dafür habe ich eine Ohrstecker-Perle verloren.

Gespenstische Stimmung

Das Schulfest am Freitagabend und Samstag war ein Erfolg, obwohl das Wetter umgeschlagen hat. Am Samstagabend konnten die Kühe in eine frische Weide, doch zuerst musste ein Zaun als Unterteilung erstellt werden. Arnika, Knabenkräuter, Alpenrosen, all die wunderschönen Blumen sind am Blühen, doch der Nebel schien sie zu umhüllen. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, die mächtigen Tannen, umgeben von stockdickem Nebel, boten einen Anblick wie in einem Horrorfilm. Bei solchem Wetter bin ich jeweils froh, wenn wir am Abend in der warmen Stube sitzen und die Ruhe geniessen.

Letzte Schulwoche

Bei der letzten Schönwetterperiode hat Tobias kein Emd gemäht. Zum einen ist das Gras noch eher jung und die Prognosen waren nicht sehr sicher. Zum anderen war aufgrund der letzten Schulwoche wenig zu Hause und auf der Alp musste auch viel Arbeit erledigt werden. So hat Töbu den Mist bei den Rindern geführt und Disteln wurden bekämpft. Diese stechen wir in Handarbeit aus. Ich war mit der Schule, der Wäsche und der Eröffnung unseres Online-Shops beschäftigt. Doch dazu gibt es im nächsten Blog mehr.

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