Sonntag, 1. August 2021
29.12.2019 06:10
Bern

Der Sänger und seine Schafe

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Von: Christian Zufferey

ChueLee-Sänger Christian Duss aus Faulensee BE züchtet Braunköpfige Fleischschafe. Mit ihnen ist er zweifacher Schweizer Meister geworden.

Als er zum ersten Mal mit einem Anhänger voll Schafen an eine interkantonale Ausstellung gefahren sei, hätten ihn die Organisatoren gebeten, anderswo zu parken, erinnert sich Christian Duss. Der Anhänger ist mit dem Namen seiner Band beschriftet: ChueLee. Man schlussfolgerte, er sei zum Musizieren gekommen. «Nein, ich bin mit Schafen da», antwortete er, erntete aber erstmal ungläubiges Schulterzucken. 

Züchtet seit vier Jahren

«Die Komplimente kamen hinterher – als man mir sagte, man habe mich eben falsch eingeschätzt», sagt Duss und schmunzelt. Inzwischen hat er an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen, und spätestens seit Oktober ist klar, dass er sich bereits mit Spitzenzüchtern messen kann. An der nationalen Ausstellung für das Braunköpfige Fleischschaf (BFS) ist er gleich zweimal Schweizer Meister geworden – mit einem zwei- bis dreijährigen Mutterschaf und einem ein- bis zweijährigen Widder aus eigener Zucht. Dies, obschon er erst seit vier Jahren Schafe züchtet.

Anfangs habe er Lehrgeld gezahlt, räumt er ein. «Der erste Widder, den ich gekauft habe, bekam wegen Hornansatz die Note eins und damit Ausschluss aus dem Herdebuch.» Manche Schäfer hätten ihm zudem vermeintlich schöne Schafe angedreht, die aber an Klauenfäule gelitten hätten, einen Senkrücken gehabt hätten, X-Beine oder Zwirnwolle. «Trotzdem war mein Interesse geweckt, ich habe Kurse besucht und mir bei anderen Schäfern Ratschläge geholt, bis ich mir selbst beigebracht habe, worauf es bei der Schafzucht ankommt und wie man die Tiere gesund hält.» 

Von Vorteil ist, dass er in Doppleschwand LU auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Weil ein älterer Bruder den Hof übernehmen wollte, war für ihn klar, dass er nicht Landwirt lernen konnte. Statt jedoch gleich nach der Schule einen Beruf zu erlernen, betreute er für seinen älteren Bruder den Bauernhof, solange sich dieser in der Sommer-Rekrutenschule befand. 

Im darauffolgenden Winter arbeitete er als Allrounder in einem Dancing in Sörenberg und hatte Kontakt mit österreichischen Musikern. «Ich habe ihnen stundenlang zugeschaut – und durch Zuschauen gelernt», erinnert er sich. Zuvor habe er sich manchmal heimlich die Gitarre seiner älteren Schwester «ausgeliehen» und sich mit Hilfe von Grifftabellen aus einem Buch das Gitarrenspiel beigebracht. Nachdem sie dahintergekommen sei und die Gitarre in einem Schrank eingeschlossen habe, habe er ihr die Gitarre abgekauft – mit etwas Sackgeld, das er sich mit dem Züchten von  Kaninchen verdient habe. 

18 Mutterschafe

Heute kann er mit seiner Musik den Lebensunterhalt verdienen. Die Schafe sind für ihn ein reines Hobby und der ideale Ausgleich zum beruflichen Alltag auf der Bühne. Als Musiker arbeitet auch er überwiegend abends. Duss erklärt: «Selbst, wenn ich um 2 oder 3 Uhr in der Nacht nach Hause komme, gehe ich am nächsten Morgen zwischen 7 und 8 Uhr in den Stall.» Duss bewirtschaftet mit seinen 18 Mutterschafen und den acht Widdern knapp 10 Hektaren rund um Faulensee bei Spiez, wo er seit 2011 lebt.

Gewollter Gegensatz

Duss, bodenständiges Leben, als gewollter Gegensatz zum Glamour des Schlagerstars, spiegelt sich auch in seiner Musik, dem Volks-Alpenrock, die er überwiegend selbst schreibt. Sogar der Name ChueLee symbolisiert das Volkstümliche, Traditionelle und Urchige. In seiner Musik bringt er das mit Schwyzerörgeli und Jodelgesang zum Ausdruck, und mit dem Wortstamm «Chue». Die englische Schreibweise der Verkleinerungsform «-li» steht hingegen für das Rockige, für den modernen Mundartschlager und für die verzerrten Töne mit der elektrischen Gitarre. «Mein Musikstil wird inzwischen sogar von anderen Künstlern kopiert», sagt Christian Duss, der  im Oktober Sieger des Alpensterns geworden ist. 

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