17.07.2018 14:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Der schlimmste Ort der Alp
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Die vergangene Woche war geprägt von den beiden Baustellen und der Pflege sozialer Kontakte. 

Die Furten sind gewöhnungsbedürftig

Der Neubau der Strasse auf unsere Alp Pfidertschegg verläuft sehr gut. Noch müssen wir uns an die Veränderung der Höhenmeter gewöhnen. Da Furten - geführte Bäche über die Strassen - geplant sind, steigt die Strasse vor diesen stark an. Anschliessend geht es steil in die Furte rein und auch wieder raus.

Es ist für uns nachvollziehbar, dass auf der Talseite der «Schutzwall» hoch genug sein muss, sonst würde ja das Wasser die Strasse runterfliessen. Momentan ist es aber so, dass man beim höchsten Punkt einen Moment lang die Strasse nicht mehr sieht. Man muss also blindlings in die Furte fahren. Aber wir werden uns aber bestimmt damit anfreunden können.

Gemeinde-Baustelle aufwändiger als gedacht

Unser Hausplatz gleicht einem Labyrinth. Wir dachten, dass die Sanierung der Wasserleitung durch die Gemeinde eine Baustelle von maximal einer Woche ist, nach dem Prinzip: Rinne lochen, Leitung einlegen und wieder zu buddeln. 

Die Baustelle scheint jedoch mit dem Zusammenschweissen der Leitungen, den Anschlüssen in unsere Häuser und der Verbindung zwischen den beiden Gemeinden Fahrni und Unterlangenegg weit komplexer zu sein als gedacht. So hatten wir beispielsweise am Montag den ganzen Tag kein Wasser zur Verfügung.

Fertig mit dem Emden – für zwei Wochen

Das schöne Wetter haben wir genutzt, um weiteres Futter zu konservieren. So ist die Bühne nun mehr als halb voll, weitere 26 Rundballen kamen dazu. Ich kenne Töbu nun schon seit acht Jahren und helfe seit längerer Zeit regelmässig auf dem Hof mit. Doch die Aussage «Mir si nache mitem Deerä» hörte ich von ihm noch nie. 

Tatsächlich haben wir momentan nichts zu mähen. Aber wie das so ist, gab es trotzdem noch was zu mähen.  Töbu hat ein steiles Kalberweidli gefunden. Er will nun dort noch einen Pflegeschnitt machen. «So kommen wir nicht aus der Übung», meinte er mit einem Schmunzeln.

So bleibt Zeit fürs Disteln aushacken

Für uns hat die Futterzubereitung nebst dem Versorgen der Tiere eindeutig erste Priorität. Da es nun eine Pause gibt, haben wir Zeit, um uns dem Unkraut zu widmen. Unser Distel-Loch, wie wir den «schlimmsten Ort auf unserer Alp» wenig liebevoll nennen, muss gerodet werden. 

Mit Hacke, dicken Handschuhen und genügend Elan ausgerüstet, war die Arbeit jedoch eher entspannend als nervenaufreibend. Sicher auch, weil wir gleich von zwei Michus viel Unterstützung erhielten. Nämlich von Michael, der den Zivildienst-Einsatz am vergangenen Montag gestartet hat. Und Michel; er verbachte vor rund 55 Jahren bei meinen Grosseltern seine Ferien. 

Diplomfeier und Bräteln

Gleich an drei Abenden war ich in der vergangenen Woche nicht auf der Pfidertschegg. Im letzten Winter durfte ich im Fach «Allgemeinbildung» eine Mutterschaftsvertretung am Inforama Rütti übernehmen. Die Agrarpraktiker wurden nun diplomiert. Irgendwie erfüllte es mich fast ein wenig mit Stolz, als ich die Diplomanten auf der Bühne sah und weiss, dass ich sie ein Stück weit auf ihrem Ausbildungsweg begleiten durfte.

Am Freitag stand dann Burglinde-Helferbräteln bei unserem Nachbarn auf dem Programm, am Samstag das Bräteln von der Weggenossenschaft und am Sonntag die Feier zum 85. Geburtstag von Tobias‘ Grossvater. So habe ich mich gleich an drei aufeinanderfolgenden Tagen überessen und die guten Gespräche sehr genossen.

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