31.08.2016 07:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
Schwingerkönig
«Der Schwingerkönig isst unseren Alpkäse gerne»
Der bekannte Original-Braunviehzüchter Andreas Anderegg ist der Onkel des neuen Schwingerkönigs Matthias Glarner und Vater des Eidgenossen Simon Anderegg.

«Schweizer Bauer»: Sie sind nicht nur der Vater des dreifachen Eidgenossen Simon Anderegg, sondern auch Onkel des Schwingerkönigs Matthias Glarner. Stimmt es, dass Sie beide fürs Schwingen begeisterten?
Andreas Anderegg:  Matthias und Simon waren zunächst wie Matthias’ Bruder Stefan vor allem fussballbegeistert. Stefan Glarner ist ja heute Fussballprofi beim FC Thun. Matthias und Simon hingegen konnte ich glaub’ schon etwas die Freude am Schwingsport vermitteln. Bald  musste man sie schon eher bremsen. Sie wollten nicht nur am Sonntag, sondern auch am Samstag schwingen. Als Technischer Leiter des Berner Oberländischen Schwingerverbandes habe ich sie auch von  Verbandsseite her begleitet.

Hat man schon damals das Potenzial der beiden  als Knaben gesehen?
Beim Bubenschwingen ist es noch relativ schwierig, etwas über das Potenzial zu sagen. Wenn die Schwinger aus der Schule kommen, fängt  fast alles wieder neu an. Aber Matthias wie Simon haben bereits  kurz nach Ende der Schulzeit bewiesen,  dass sie Potenzial haben. Am Oberländischen Schwingfest 2002 belegten sie den 1. und den 2. Rang direkt hinter den Kranzrängen.  Damals sah man, dass sie den Übergang zu den Aktiven gut geschafft haben.

Geben Sie dem Schwingerkönig noch immer Ratschläge?
Es braucht Disziplin, seriöses Training und einen eisernen Willen. Das hat Matthias. Er war immer ein stiller Schaffer und jetzt ein grosser Routinier, der nicht mehr Ratschläge braucht. Manchmal diskutieren wir aber schon noch übers Schwingen.

Und was sagen Sie ihm?
Es ist wichtig, an sich zu glauben und gegen die Schwinger zu siegen, gegen die man eingeteilt ist. Man muss nie mit der Einteilung hadern, sondern den Gegner nehmen, den man bekommt. Wenn man ein Quäntchen Glück hat, dann kann man jeden Gegner schlagen.

Hat der neue Schwingerkönig eine Beziehung zur Landwirtschaft?
Ja, während der Schulzeit kam er  oft zu uns auf den Hof. Er isst immer noch gerne Alpkäse von unserer Alp. Noch eine Anekdote: Der Siegerstier am Kantonalbernischen Schwingfest in Meiringen dieses Jahr stammt aus meiner Zucht. Matthias hat mir im Vorfeld zum Spass gesagt, dass, wenn er den Stier gewinnen würde, ich ihn nie mehr sehen würde. Dann hat er tatsächlich das Fest gewonnen, nahm aber das Geld anstatt den Stier. Der steht wieder bei mir im Stall. 

Ihr Sohn Simon hatte am gleichen kantonalbernischen Schwingfest weniger Glück...
Er hat sich dort noch vor dem eigentlichen Wettkampf eine Rückenverletzung eingefangen. Erst kurz vor dem Eidgenössischen konnte er wieder trainieren. Das war gewaltig, dass er doch noch den Kranz geholt hat.

Sie sind 61-jährig. Wie sieht es mit der Betriebsnachfolge aus?
Simon hat zuerst Bauer und danach noch Zimmermann gelernt. Im Zusammenhang mit seinen Rückenproblemen hat er auch öffentlich gesagt, dass er den Betrieb einmal übernehmen will. Wenn es die Gesundheit zulässt, möchte er aber noch am Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug teilnehmen. Und den eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu führen und gleichzeitig aktiv zu schwingen, geht fast gar nicht.

Zur Person

Andreas Anderegg aus Unterbach bei Meiringen BE ist Original-Braunvieh-Züchter. Der ehemalige Präsident des Bernischen Braunviehzuchtverbands ist noch immer als Muni-Experte bei Braunvieh Schweiz im Einsatz. Auch im Vorstand des Schweizer- Original-Braunvieh-Zuchtverbands ist er aktiv.

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