3.07.2018 14:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Deshalb gehen wir z’Bärg
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten. -> Mit Video

Wir haben eine gute, angenehme Woche hinter uns. Anders als erwartet, konnte der Lohnunternehmer alles Gemähte pressen, was eine grosse Arbeitserleichterung war. So haben wir nun über hundert Rundballen gemacht. Das restliche Emd ist fünf Wochen oder noch jünger, für uns zu jung, um es wieder zu schneiden. So hatten wir Zeit, um uns dem Unkraut und dem Farn zu widmen. 

Keine neue Angestellte 

Nach der Abreise von unserer Angestellten haben wir uns entschieden, dass wir nicht nach einem Ersatz suchen. Denn die letzte Schulwoche ist gestartet. In den Sommerferien können wir die anfallenden Arbeiten ohne zusätzliche Unterstützung bewältigen. 

Am kommenden Mittwoch gibt es Bauabnahme des Laufstalls von der BAK (Bernische Agrarkredite, Amt für Strukturverbesserungen). Somit wird dieses Bauprojekt abgeschlossen. Am Montagmorgen sind bereits neue Bagger aufgefahren. Es war Baustart für die Strassensanierung und den Neubau auf die Alp. Im Video habe ich mehr dazu erklärt.

Kommentare im Blog

Der letzte Blog wurde mehrfach kommentiert, was mich freut. Ich finde es wichtig und richtig, dass Beiträge kritisch hinterfragt werden. Es ist für mich völlig in Ordnung, wenn es nicht ausschliesslich positive Stimmen zu meinem Blog gibt. Jemand hat gefragt, warum wir mit den Kühen auf die Alp gehen, all diesen Stress haben, wenn wir zu Hause doch einen so «flotten Stall» haben. Töbu meint dazu etwas zynisch: «Gerade weil wir zBärg gehen, konnten wir diesen Stall bauen.»

Viele Gründe bewegen uns auf die Alp


Damit meint er die momentane Agrarpolitik und das Direktzahlungssystem. Mit der sehr positiven Stellung der Sömmerungsgebiete wird uns ein schöner Batzen Geld überwiesen. Natürlich müssen wir eine Leistung dafür erbringen. Zum Beispiel müssen die Flächen offen gehalten werden und die Verbuschung zurückgedrängt werden. Dies gelingt am einfachsten mit dem Beweiden von Tieren. 

Nur Rinder?

Früher waren ausschliesslich Rinder auf der Pfidertschegg. Bereits Töbus Vater hat die Alp wieder mit Kühen bestossen. Wenn wir nur Rinder oben hätten, würden wir vor der Wahl stehen: entweder stellen wir jemanden ein, der die Tiere oben versorgt und die Alp bewirtschaftet, was nicht gerade günstig ist. Oder wir gehen selber täglich hoch, um die Rinder zu kontrollieren und das Unkraut zu bekämpfen. Dies ist unsere derzeitige Lösung. So können wir auch die Kühe mitnehmen, den Weg müssen wir ja eh zurücklegen. 

Zu Hause zu wenig Futter

Momentan ernten wir das Futter von 34 Hektar Land. Rund ums Haus haben wir leider relativ wenig Land, so dass ein Vollweidemanagement, wenn wir im Sommer Kühe auf dem Talbetrieb hätten, nicht möglich wäre. Zudem könnten wir nicht so viele Tiere ohne Futterzukauf wintern, wenn Kühe im Sommer in Fahrni fressen würden.

Anpassungsfähigere Tiere

Ich behaupte, dass Kühe, welche z’Alp gehen, fitter und anpassungsfähiger sind. Sie müssen eindeutig weitere Strecken zum Fressen zurücklegen, was gut für ihre Fitness ist. Zudem lernen die Tiere ein neues Melksystem, müssen sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden und sind zumindest zum Melken angebunden.

Dies sind drei wichtige Eigenschaften bei unserer Betriebsstrategie: Wir verkaufen jährlich 15 bis 20 Zucht- und Nutzkühe, die meisten in der zweiten Laktation. Unsere Käufer wissen, dass sich die Tiere sowohl Melkstand wie Rohrmelkanlage gewohnt sind. Sie wissen, dass alle Tiere schon mal angebunden wurden und somit relativ zahm sind. Und sie wissen auch, dass die Kühe nicht in einem langjährigen «Gewohnheitstrip» stecken, sondern sich auch an neue Gegebenheiten anpassen können. 

Und: fürs Gemüt


Ich weiss, dass wirtschaftlich gesehen die finanzielle Sicht und wahrscheinlich auch der Aspekte der Betriebslogistik und der Flexibilität der Kühe die wichtigeren sind, als mein persönlicher Grund. Ich weiss nicht, ob mir jemand nachfühlen kann, der dieses Gefühl im Frühjahr selber nicht verspürt. Dieses Bergfieber, das mich ganz kribblig macht und mich wie ein kleines Kind auf den Alpsommer freuen lässt.

Dieses Gefühl der tiefen Zufriedenheit, wenn man am Abend vor der Hütte auf der Bank sitzt, das Glockengeläut hört und einfach glücklich ist. Dieser Moment, wenn die Zeit wie still steht, kein Autolärm zu hören ist und plötzlich die Uhrzeit egal ist. Denn es ist kein Bus, der erreicht werden muss und kein Termin für den fix eingeplanten Businesslunch. Für mich ist eben das Gemüt auch ein wichtiger Grund, um den Sommer auf der Alp zu verbringen.

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