8.05.2014 11:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Technik
Die App, die Kuchen bäckt
Nachdem die Vernetzung in der Stube und dem Auto Einzug gehalten hat, bringt sie nun auch Haushaltsgeräte auf das Smartphone und ins Internet. Die nächste Generation von Herden, Backöfen und Waschmaschinen lässt sich per App aus der Ferne steuern.

«Küche, was lässt sich mit dem Inhalt meines Kühlschrankes heute kochen?» fragt ein Mann in der Demo-Küche eines japanischen Herstellers. Die Küche antwortet freundlich, projiziert Bilder der vorgeschlagenen Speisen an die Wand und bietet an, Fehlendes aus dem Internet zu bestellen. Bis allerdings eine solche «Cloud Smart Kitchen» marktreif ist, wird es noch dauern.

Geräte haben "dazugelernt"

Haushaltsgeräte haben in den vergangenen Jahren dazugelernt. Backöfen erkennen, wie viel Teig eingeschoben wird, und passen das Programm an. Waschmaschinen versuchen, mit Kameras Wäscheart und Verschmutzung zu erkennen und reinigen so schonender.

In Japan und Korea gibt es sogar schon Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Reiskocher, Mikrowellengrill sowie Wasch- und Kühlgeräte, die sich mit dem Smartphone verbinden können. Auf dem Schweizer Markt findet sich davon aber nur eine smarte Waschmaschine, die sich vollständig über eine Android-App und so auch von unterwegs steuern lässt.

Wifi für Herd und Waschmaschine

An der IFA-Messe in Berlin soll nun aber im Herbst der vernetzte Haushalt auch für Europäer Realität werden. Dutzende Haushaltsgeräte verschiedener Hersteller sollen sich dann über eine einzige App auf Smartphone und Tablet steuern lassen. Dazu werden Herde, Backöfen, Kühlschränke und Waschmaschinen mit einer WLAN-Schnittstelle (Wireless LAN) erweitert.

Dank dieser verbreiteten Funktechnik können sie sich nicht nur einfach mit Mobilgeräten verbinden, sondern erhalten via Internet-Router auch Zugriff auf Cloud-Dienste.

Das offene System mit der Bezeichnung Home Connect soll verschiedene Hersteller, Funktionen und Aufgaben auf einer Oberfläche vereinen. «Benutzerumfragen haben gezeigt, dass 90 Prozent der Haushalte Geräte verschiedener Marken haben. Die Nutzer wollen alle Haushaltsgeräte mit nur einer Oberfläche bedienen können», erklärt Dr. Claudia Häpp, die bei einem der grössten Haushaltsgerätehersteller für das Home Connect verantwortlich ist.

Rezepte statt Knöpfe

Die App wird die gewohnte Benutzeroberfläche von Haushaltsgeräten abbilden. Herdplatten lassen sich einschalten oder das 60-Grad-Schonwaschprogramm starten. Weil die Mobilgeräte über grössere und individuell gestaltbare Displays verfügen, muss man auch nicht mehr kryptische Symbole auf Geräten kennen, sondern wird mit verständlichen Texten in der Landessprache durch Funktionen geführt.

Die «Intelligenz» der App bringt zudem zusätzlichen Komfort: Wenn man ein Kuchenrezept auf dem Tablet anzeigt, genügt ein Tastendruck, um den Backofen entsprechend zu programmieren.

Cloud-Backofen

Weil sich neue Haushaltsgeräte via WLAN mit dem Internet-Router verbinden können, stehen ihnen auch alle Funktionen von Cloud-Diensten zur Verfügung. Einerseits lässt sich so ein Haushaltsgerät einfach aus der Ferne steuern oder auch nur überwachen. Selbstverständlich profitiert auch der Kundendienst von der Vernetzung und kann bei Problemen eine Ferndiagnose ohne teure Wegpauschalen durchführen.

Für eine breite Akzeptanz muss sich aber Home Connect noch in den Bereichen Sicherheit und bei der Wahrung der Privatsphäre bewähren. Denn niemand will, dass «die Cloud weiss», wie häufig er seine Wäsche macht, oder ein Hacker den Braten anbrennen lässt.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE