26.02.2013 17:46
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Gülle
Die Güllelager sind randvoll
Der Winter 2012/13 war lang und im Flachland schneereich, der Herbst nass. Das macht den Bauern Sorgen, denn ihre Güllelager sind voll. Glück hatte, wer in der Wärmeperiode Anfang Januar einige Fässer ausbrachte. Mit Umfrage.

Am 1. März beginnt aus meteorologischer Sicht der Frühling, und tatsächlich soll es gegen Ende Woche wärmer werden. Darauf warten fast alle Tierhalter, denn die Güllelager sind voll. «Noch eine weitere Woche Winterwetter mags nicht leiden», sagt etwa Fritz Birrer von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. «Ende Woche muss man an guten Lagen güllen können, sonst wirds eng.» Er bekomme Anfragen von Bauern, die nicht mehr wissen, wohin mit der Gülle.

Nasser Herbst hat Folgen

Vielen Tierhaltern hat schon der nasse Herbst 2012 einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie konnten nicht fertig güllen. In den Kantonen, die für die Wintermonate kein generelles Ausbringverbot verhängt haben, wurde das in der Wärmeperiode Anfang Januar je nach Region nachgeholt. «Diese Möglichkeit wurde im Kanton Zürich teilweise genutzt», bestätigt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes. Man habe eine praktikable Lösung, die auf Eigenverantwortung setze, und  ein Merkblatt mit einer Checkliste ausgearbeitet. «Trotzdem mussten wir unsere Güllebörse öffnen, auf der Bauern freie Lagerkapazität anbieten. Die Nachfrage danach ist da.»

Ein totales Ausbringverbot kannte bislang der Kanton Freiburg. Doch auch dort wurde den Bauern der Gülleaustrag im Januar während zehn Tagen erlaubt. «Darüber sind wir heute froh», sagt Anton Lehmann vom Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve FR. «Ohne dieses Zeitfenster wäre die Situation jetzt ausser Kontrolle.» Im Norden des Kantons hätten  bereits einige Tierhalter an guten Lagen mit dem Güllen beginnen können.

Gülle wird verschoben

Noch nicht entspannt ist die Situation rund um Bern. Florian Burkhalter der Fachstelle Pflanzenschutz in Zollikofen BE: «Hier liegt noch so viel Schnee, dass ans Güllen nicht zu denken ist.» Auch er hofft, dass sich das Ende Woche ändern wird, da die Situation sonst für viele prekär würde. «Schon jetzt wird Gülle verschoben, es werden alle Platzkapazitäten genutzt.»

Der Winter 2012/13 ist laut Statistik im Mittelland einer der  schneereichsten. Am Zürichberg gab es laut Meteo Schweiz seit 1986 nie mehr so viel Schnee. In St. Gallen fielen letztmals in den 80er-Jahren grössere Neuschneemengen.

Schnee schützt

Grundsätzlich schützt der Schnee die Kulturen vor den Witterungseinflüssen. «Viele Getreide- und Rapsbestände haben jedoch unter den häufigen Niederschlägen und der ständigen Nässe der Böden vor dem Einschneien und während des Winters gelitten», hat René Gämperle vom Strickhof in Lindau ZH beobachtet. «Regelmässig zeigen sich nun nässebedingte Probleme und Schäden an diesen Kulturen, und der Entwicklungsstand der Getreide- und Rapsbestände ist zum jetzigen Zeitpunkt klar weiter zurück als in anderen Jahren.»

Noch keine Bilanz diesbezüglich kann Burkhalter ziehen: «Dass der Boden durch die Schneedecke vor Frost geschützt war, ist aber grundsätzlich gut für die Entwicklung von Spätsaaten.»

Der Winter war auch trüb

Der vergangene Winter war nicht nur besonders schneereich, laut Meteo Schweiz ist er bislang auch insgesamt eher trüb verlaufen. So wurden in Zürich in den Wintermonaten (Dezember, Januar, Februar) bis am 24. Februar nur 126 Sonnenstunden aufgezeichnet. Im langjährigen Durchschnitt sind es etwa 178 Stunden. Ähnlich wenig Sonne wurde in den Wintermonaten der Jahre 2009/2010 und 1995/1996 aufgezeichnet. Der trübste Flachlandwinter brachte 1969/1970 nur gerade 83 Sonnenstunden.

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