Montag, 10. Mai 2021
24.05.2014 16:06
Gesundheit

Die Leber: «Firewall» gegen Bakterien

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Menschen haben unendlich viele Bakterien im unteren Darmbereich – rund 100 Billionen. Sie sind wichtig für die Verdauung. Dringt jedoch auch nur ein Millionstel dieser Bakterien in den Blutkreislauf ein, ist eine Blutvergiftung die Folge.

Aus diesem Grund haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Abwehrsysteme ausgebildet: Der gesamte Darm ist mit einer dichten Zellschicht ausgekleidet und zusätzlich von einer dicken Schleimschicht überzogen, welche den Bakterien das Andocken erschwert.

Blutfilter

Auch gibt es in der Darmschleimhaut eine grosse Anzahl an weissen Blutkörperchen, welche eindringende Bakterien umgehend abtöten. Zusätzlich dienen Lymphknoten im Darm als Filterstationen und stellen sicher, dass keinerlei Mikroorganismen aus dem Darm entwischen.

Patienten mit Lebererkrankungen erkranken jedoch häufig an Infektionen durch Keime, die normalerweise im Darm vorkommen. Eine Gruppe von Forschern der Universität Bern um Maria Luisa Balmer und Andrew Macpherson untersuchte deshalb, ob die Leber ebenfalls ein Teil des Darm-Abwehrsystems ist.

Dies scheint laut einer Mitteilung der Universität Bern der Fall zu sein: «Zusätzlich zur mechanischen und der Lymphknoten-Barriere bildet die Leber als drittes System eine Art Blutfilter», sagt Andrew Mcpherson laut der Mitteilung vom Donnerstag. Die Leber eliminiere Bakterien, denen der Zugang zum Blutsystem geglückt sei. «Sie ist eine Art Firewall für den Fall, dass andere Barrieren nicht ausreichen», so Mcpherson weiter.

Immunreaktion zeigt Lebererkrankung an

Funktioniert die Leber nicht mehr richtig und können die Darmbakterien nicht mehr effizient aus dem Blut gefiltert werden, beginnt das Immunsystem damit, spezielle Antikörper gegen diese Bakterien zu produzieren.

Die Forscher fanden bei Patienten mit einem breiten Spektrum an Lebererkrankungen solche abnormalen Immunreaktionen gegen Darmbakterien – ein Zeichen dafür, dass die «Firewall» bei Lebererkrankungen defekt ist und erste Systemfehler auftreten. «Interessanterweise waren diese Antikörper schon in sehr frühen Stadien der Lebererkrankung messbar, also bei Patienten, die oft noch gar nichts von ihrer Leberfunktionsstörung merkten», sagt Macpherson.

Es bestehe somit die Möglichkeit, durch das Messen dieser Immunreaktion Patienten mit Lebererkrankungen sehr früh zu erkennen und somit rechtzeitig zu behandeln – bevor schwere Infektionen auftreten. Die Studie der Berner Forscher ist in der Zeitschrift «Science Translational Medicine» publiziert worden.

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