Mittwoch, 2. Dezember 2020
12.11.2020 06:01
Flurnamen

Die Namen Gewil und Jaussacher in Grossaffoltern

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Von: Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

In der Gemeinde Grossaffoltern  BE liegen zwischen Ammerzwil und Weingarten die Flurnamen Gewil und Jaussacher. Martin Moser möchte gerne die Bedeutung beider Namen wissen. 

Zunächst zum Namen Jussacher: Der erste Beleg, der das Berndeutsche Flurnamenbuch für Jaussacher aufführt, stammt aus dem Jahr 1409 und zeigt die schriftliche Form «Jansacher». Aus «Jans» entstand während den Jahrhunderten die Form «Jaus». Der Wechsel von Buchstaben hat meistens mit einem dialektologischen Phänomen zu tun. Die wenigen Menschen, die früher scheiben konnten, haben zum Teil sehr mundartnah auf unterschiedliche Weise verschriftlicht.

Was heisst Jaus?

Jaus ist deshalb zu einer Kurzform zum Personennamen Johannes zu stellen. Hier handelt es sich demnach um eine Besitzverhältnisanzeige. Der Jaussacher ist der Acker, der im Besitz einer Person namens Johannes war. Dieses Beispiel zeigt, dass ohne einen möglichst alten schriftlichen Beleg, meist keine Deutung eines Flurnamens gemacht werden kann.

Warum wir deutsch sprechen

Auch der Flurname Gewil geht auf einen Personennamen zurück. Zunächst interessiert aber vor allem die Endung des Namens. Die Wil-Namen gehen auf die Alemannen zurück, die ehemals römisches Territorium oder braches Neuland besiedelten. Nach den Kelten und den Römern, besiedelten die Alemannen ab dem 5. Jahrhundert die Schweiz. Sie wanderten von Norden her in die heutige Schweiz ein und liessen sich da nieder.

Auch unsere Sprache, die eine alemannische Sprache ist, geht auf diese Zeit zurück. So sind es die Alemannen, die dafür verantwortlich sind, dass zwischen Rhein und Alpen Deutsch gesprochen wird.

Endung -wil

In vielen Ortsnamen der Schweiz findet sich deshalb die althochdeutsche Endung -wil; so etwa in Allschwil BL, Uzwil SG, Wilderswil BE oder Herbetswil SO. Doch etliche Wil-Namen sind heute nicht mehr als Ortschaften existent, sondern als Flurnamen überliefert. Sie existieren noch als sogenannte Wüstungsnamen, also Namen von Siedlungen die aufgelassen worden sind.

Dazu gehört auch der Flurnamen Gewil. Es handelt sich hierbei um eine ehemalige Siedlung der Alemannen. Wil geht dabei auf das althochdeutsche Wort wilari zurück, das Dorf, Weiler oder einzelnes Gehöf meint. Ursprünglich geht das Wort auf Lateinisch villare zurück, das Villa, Gutsbetrieb meint. Der vordere Teil dieses Wil-Namens geht auf einen althochdeutschen Personennamen zurück. Der Ortsnamen Herbetswil beispielsweise ist zum Personennamen Herbert zu stellen. Es handelt sich hiernach um den Weiler einer Person oder einer Sippe mit dem Anführer namens Herbert.

Das Gleiche gilt für Allschwil (zum Personennamen Alaman), Wilderswil (zum Personennamen Wildehar) und Uzwil (zum Personennamen Uzo). Im Fall von Gewil ist der vordere Teil wohl verkürzt worden und deshalb nicht mehr nachvollziehbar, um welchen Personennamen es sich hierbei handeln könnte. Das wissen nur noch die alten Alemannen.

 

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen. jul

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