14.07.2019 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Kathrin Müller
Blog
Die Reise zur grossen Farm
Katrin Müller geht auf Reisen. Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen.

Endlich ist es soweit. Die Semesterprüfungen sind überstanden. Und dann ging es los. Ab nach Schottland zu einer Farm, die man so in der Schweiz nirgends findet! Unser Auto haben wir mit Gepäck für ein halbes Jahr und zwei Velos beladen. Wir machten uns auf den Weg über Bern-Metz-Luxemburg-Charleroi-Maidstone-Liverpool nach Collin. Fünf Länder und 1648 km in 4 Tagen.

Von der Hitze in die Kälte

In Frankreich waren die Felder ausgetrocknet, Mähdrescher an der Arbeit. Doch je weiter wir in den Norden fuhren, desto kälter wurde es. Die Sonne wurde zunehmend von einer dicken Wolkenschicht verdeckt. Auf der Fähre von Calais nach Dover verabschiedeten wir uns vom Hochsommer. Wir zogen uns dicke Jacken über. Auf englischen Boden angekommen, hiess es aufpassen. Denn auf der Insel herrscht Linksverkehr.

Und so machten wir uns auf den Weg weiter in Richtung Norden. Die Landschaft ist geprägt von der Landwirtschaft: Grüne und saftige Weiden stechen, die typischen Hecken entlang jedem Feld, grasende Schafe, Mutterkuhherden und Milchkühe, soweit das Auge reicht.

380 Hektaren

Die Linns Farm von Michael und Lorrie Kyle liegt im Südwesten Schottlands, rund 30 Minuten vom Meer entfernt. Michael wendet das Vollweide-System an, das er in Neuseeland kennengelernt hat. Dies bedeutet, dass die Kühe das ganze Jahr über draussen auf der Weide sind und nur zum Melken ein Dach über dem Kopf haben. Nur im Winter, wenn die Weiden sehr nass sind, bringt er seine Kühe in eine offene Boxenstallung. So kann er grössere Landschäden vermeiden.

Michael’s Kühe kalben saisonal ab. Alle Kühe bringen innerhalb von zehn Wochen, von Januar bis März, die Kälber auf die Welt. So kann Michael den Energiebedarf der Kühe an die Vegetation anpassen. Seine rund 380 Hektaren liegen an einem langgezogenen Hügelzug, ganz flach ist es also auch im Ausland nicht überall. Auf dieser Farm werden rund 700 Milchkühe der Rasse Kiwicross gehalten. Auch diese hat Michael aus Neuseeland entdeckt.

700 Kühe, 2 Herden

Die Rasse ist ursprünglich durch eine Kreuzung zwischen Holstein und Jersey entstanden und damit sehr gut an eine grasbasierte Milchproduktion angepasst. Die Kühe sind aufgeteilt in zwei Herden und werden zweimal täglich gemolken. Um 05:30 und um 13:30 werden sie von der Weide zum Melkkarussel mit 80 Plätzen getrieben.

Die Melkzeit beträgt je rund zweieinhalb Stunden. Für nasse Wochen im Winter steht ein Offenlaufstall zur Verfügung. Der Leistungsdurchschnitt liegt im Moment bei 20 Kilo pro Kuh und Tag und bei 5000 Kilo pro Jahr.

Keine Ruhepause

Kaum angekommen, konnten wir unser Haus beziehen. Diese hat zum Glück Schweizer Standard. Kurze Zeit später schlüpften wir bereits in die Gummistiefel und arbeiteten mit. An unserem ersten Tag lernten wir alle Mitarbeiter kennen. Insgesamt sind auf dem Betrieb sechs Personen angestellt. Neben zwei Festangestellten arbeiten auch zwei Studenten aus Irland mit. Sie verbringen ihre Sommerferien in Schottland. 

Und es ging im Eilzugstempo weiter. Wir wurden sogleich ins Melken eingeführt. Das riesige Karussell wirkt imposant. Das Tempo ist noch gewöhnungsbedürftig, aber das wird sich bald ändern. Die Sprache macht uns noch zu schaffen. Der schottische und irische Akzent ist nicht dasselbe wie das Englisch aus der Schulstube. 

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