19.07.2016 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Die Sonnseiten des Regens
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Ja, ich mag es auch lieber, wenn die Sonne scheint und die Temperaturen wärmer sind. Gerade das vergangene Wochenende und auch momentan ist es herrlich. Wir haben wieder viel gemäht, diesmal vor allem im Hang wo es viel Handarbeit gibt. Doch eben nicht nur das schöne Wetter hat Vorteile.

Zeit zum Ausruhen

Auch letzte Woche, wo es regnerisch und kalt war, gab es viele Vorteile. Wir konnten beispielsweise am Abend früh die Tiere auf die Weide treiben, das Problem der Bremsen und Mücken war weg. So hatten wir frühen Feierabend und konnten die Freizeit geniessen.

Die Stube, also das Wohnzimmer, ist der einzige Raum in der Hütte, welchen wir beheizen können. Zum Nachtessen ein Fondue, der warme Trittofen, Post die gelesen werden will, Schach spielen, Freunde besuchen, …. Alles Dinge, welche wir beim momentanen Hochsommer nicht geniessen können.

Ich hasse Regenhosen, ich mag es nicht, wenn es im Schlafzimmer kaum mehr als fünf Grad ist und die nassen Kühe anbinden ist auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Doch ich geniesse bei diesem Wetter die Zeit, die Ruhe und den zusätzlichen Schlaf.

Borkenkäferbefall

Der Förster hat Tobias beauftragt die Rinde einer mit Borkenkäfer befallenen Tanne zu entfernen. Denn die Maden der Borkenkäfer nisten sich unter der Rinde ein. Sie breiten sich schnell aus und befallen bald andere Tannen. In einer Regenpause brachen wir auf.

Am äussersten Ende der Pfindertschegg, mehr als eine halbe Stunde Fussmarsch von der Hütte entfernt, fanden wir die gesuchte Tanne vor, sie hat einen Durchmesser von etwa siebzig Zentimetern. Mit einem „Schinteisen“ würde es gut gehen, meinte der Förster.

Die kleine Säge, welche Tobias mitschleppte war zu klein um sie durchzusägen. „Ds Schinte“, also das Schälen der Tanne, war äusserst mühsam. Ich bin froh, dass nur eine Tanne befallen ist und wir nicht weitere schinten müssen, denn für mich ist dies die am wenigsten erfreuliche Arbeit des bisherigen Alpsommers.

Halbzeit
Schon ist mehr als die Hälfte des Alpsommers vorbei, leider! Wir haben noch viel vor, wer weiss, ob die Zeit für alles ausreicht. Wir blicken auf einen nassen Juni zurück. Zusammengefasst haben wir jedoch sehr gut gestartet. Die Kühe sind nun eine knappe Woche im Emdgras, die Rinder bleiben noch eine Weile im Heugras.

Abgesehen von den Grippeli bei den Rindern, sind alle Tiere gesund und munter. Die Milchmenge ist gesunken, dafür sind die Kühe gut bei Leib. Wir haben zwar eher altes Gras, dafür ist viel gewachsen und die Tiere sollten, wenn es nicht hagelt, bis Ende Sommer genügend zu fressen haben. Und wie heisst es doch so schön: „Lieber auts Gras aus keh Gras.“

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