17.12.2016 11:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Solothurn
Die Tiere geben ihnen Kraft
Vor über drei Jahren brannte der Hof von Paul und Käthi Strub bei Trimbach SO ab. Der Wiederaufbau dauert so lange, weil die Eigentümerin die Armee ist und das Bewilligungsverfahren von verschiedenen Stellen abgesegnet werden muss.

Den 8. August 2013 wird die Familie Strub wohl nie mehr vergessen. Wenige Tage zuvor fand noch ein 1.-August-Brunch statt – dann führte ein Kurzschluss zu einem Brand. Das Feuer breitete sich erst im Stall aus, dann griff es über das Dach auch auf das Wohnhaus über – trotz Brandschutzwänden. Drei Tage benötigte die Feuerwehr zum Löschen, danach war nichts mehr wie vorher.

Tochter will weiterfahren

«Wenigstens haben wir nur unsere Habseligkeiten verloren, aber keines unserer Tiere», erinnert sich Käthi Strub. Bei ihren Tieren fand die Familie in der schweren Zeit Halt – und die Kraft, sich vor völlig neue Umstände gestellt, zurechtzufinden. Seit dem schrecklichen Vorfall wohnt die Familie im ehemaligen Pfarrhaus von Ifenthal. «Den Entscheid, dass der Hof wieder aufgebaut wird, hat die Schweizer Armee als Eigentümerin zwar rasch gefällt, trotzdem dauert das Verfahren durch alle Bundesinstanzen hindurch nun schon fast 3½ Jahre», erzählt Tochter Rebekka, die gegenwärtig noch bei einer Freundin in Trimbach wohnt.

Sie bereitet sich gegenwärtig auf die ab Januar beginnenden Prüfungen zur Meisterlandwirtin vor. Danach möchte sie den Pachtbetrieb ihrer Eltern weiterführen. «Wir sind verhalten optimistisch, dass der Wiederaufbau Anfang nächstes Jahr beginnen kann», so die junge Landwirtin. Zumindest ein erstes mündliches «Okay» für den Wiederaufbau ist vor zwei Wochen eingetroffen.

Häufig Weiden wechseln

Familie Strub bewirtschaftet eine weitläufige Fläche von insgesamt 45 Hektaren Pachtland. Der Hof Horn am Hauenstein ist im Besitz der Schweizer Armee, die hier oben den gut genutzten Truppenübungsplatz Fasiswald betreibt. «An sehr vielen Tagen im Jahr wird bei uns geschossen», erzählt Käthi Strub. Bei Schiessübungen müssen Strubs ihre Tiere aus dem Gelände herausholen und zu einem Weidestall bringen.

Diesen nutzen sie seit der Brandkatastrophe auch als Unterkunft für ihre Mutterkühe. Ein zweiter, modernerer Weidestall, den Strubs «den Notstall» nennen, wurde kurz nach dem Feuer gebaut und soll in den nächsten Jahren sogar noch vergrössert werden. Inzwischen bieten der Not- und der alte Weidestall Platz für 70 Mutterkühe, Stiere, Kälber und Rinder. Etwa 30 Burenziegen sind in einer Remise, direkt neben dem abgebrannten Wohnhaus, untergebracht.

Aubrac und Zebu

«Weil wir hier oben auf 800 Meter über Meer viele Steillagen mit viel überständigem Gras und Gebüsch haben, suchten wir nach einer leichten Rindviehrasse aus einem Gebiet mit noch schlechterem Futter als bei uns», erklärt Käthi Strub weiter. Fündig wurde sie an einer Ausstellung in Paris, wo sie auf Aubrac-Rinder aufmerksam wurde, die man früher vor allem genutzt hat, um Karren zu ziehen. Sie haben einen sehr ausgeprägten Mutterinstinkt und sind sehr ruhig.

So importierten sie erst mal drei tragende Rinder und einen Stier. Einige Zeit nach dem Import der Aubrac haben sie aus Deutschland auch noch ursprünglich aus Sri Lanka stammende Zebus importiert. Diese fallen vor allem wegen ihres Buckels auf, der aus Muskeln, aber nur wenig Fett besteht. Auch die Zebus sind kleinrahmig, zutraulich und sehr zahm – und es sind Tiere, die gut strukturiertes Futter mit viel Rohfasern benötigen. «Die Zebus fressen sogar Blacken und Disteln», erzählt Strub, «sodass wir kaum Unkraut zu bekämpfen haben.» Es wird das vierte und hoffentlich letzte Weihnachtsfest sein, das die Familie Strub nicht daheim feiern kann.   

 

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