Donnerstag, 21. Januar 2021
22.07.2011 09:51
Leserreise Westkanada Part 12

Die wilde Insel

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Von: Reto Blunier

Vancouver Island, eine vor dem amerikanischen Kontinent liegende Insel, ist nur dünn besiedelt. Doch das politische Zentrum der Provinz British-Columbia ist Victoria, zugleich grösste Stadt der Insel. Wichtiger Industriezweig auf Vancouver Island ist die Holzindustrie. Spannend sind die Bilder an den Hauswänden in einem kleinen Dorf. Mit Bildergalerie

Vancouver Island ist rund 31’000 km2 gross, dies entspricht ungefähr 75 Prozent der Landmasse der Schweiz. Die Insel ist 400 Kilometer lang und durchschnittlich 90 Kilometer breit. Sie liegt östlich des Festlandes und ist gut 40 Kilometer dem Festland vorgelagert (in Nordosten aber nur wenige Kilometer). Vor mehreren Millionen von Jahren wurde Vancouver Island durch eine Kombination von vulkanischen und tektonischen Kräften in die Höhe geschoben und vom nordamerikanischen Festland getrennt.

Die Bevölkerungsdichte ist sehr gering, auf der Insel leben 750’000 Menschen, diese leben vorwiegend im Südosten (Nainamo und Victoria). Der am Pazifik liegende Westen ist nur spärlich bewohnt. Victoria, grösste Stadt Vancouver Island, ist aber zugleich das politische Zentrum der Provinz British-Columbia und nicht das wirtschaftliche Zentrum Vancouver. Die „Schweizer Bauer“-Leserreisegruppe hielt sich im südöstlichen Teil der Insel auf.

Besiedelt wurde die Insel bereits 4000 v. Chr. durch die First Nations (Indianer). Um 800 n. Chr. wurde ein erstes, grösseres Bevölkerungswachstum festgestellt. Als erste Weisse entdeckten aber die Spanier die Insel 1774, die Besitzansprüche wurden 1790 an Grossbritannien abgetreten.1868 wurde Victoria die Hauptstadt der heutigen Provinz British-Columbia.

Ausbeutung der Ressourcen

Zu Beginn war der Pelzhandel dominierend, bis die Population der Otter beinahe ausgerottet wurde. In den 60er-Jahren 19. Jahrhundert löste der Goldrush in Kariboo einen Boom aus. Viele Einwanderer aus den USA machten vor dem Betreten des Festlandes einen Halt auf der Insel. Der Kohleabbau, die aufkommende Fischerei und Landwirtschaft sowie Sägereien bescherten der Insel einen weiteren Schub. Der Eisenbahnbau und der Aufbau des politische Zentrums Victoria führten zu einer grossen Einwanderung, besonders von Europäern, aber auch von Japanern und Chinesen. Die üppigen, natürlichen Ressourcen wurden auf Vancouver Island aber innerhalb kurzer Zeit ausgebeutet.

Heute sind der Tourismus, Verwaltung und die Bildung (Uni mit 20’000 Studenten) die wichtigsten Arbeitgeber. Die Insel wirbt mit dem Slogan Wildnis und Abenteuer, trotz der starken Abholzung (weniger als 20 Prozent der Urwälder sind noch erhalten – Zedern, Douglasien, Fichten, Rottannen) der Urwälder. Die Holzindustrie ist heute immer noch ein wichtiger Arbeitgeber. Sie wurde besonders nach der Schliessung der Kohleminen stark gefördert. Ein immer wichtigerer Wirtschaftszweig wird der Energiesektor (Wasserkraft). Auch die Landwirtschaft (Wein, Milch und Fischerei) hat auf der Insel keine unbedeutende Stellung.

Heimisch auf der Insel sind bespielsweise der Puma, Wolf, Elch, Hirsch, Schwarzbär, Bergziege oder Vancouver-Murmeltier. Auch der Otter, den Lachs und Robben findet man auf der Insel. Zudem leben in den Gewässern vor der Insel Wale.

Faszinierende Wandmalereien

Der durch die Schliessung der Kohleindustrie und die Übernutzung der Waldbestände entstandene wirtschaftliche Niedergang im Ort Chemainus wird durch eindrucksvolle Wandmalereien (siehe Bildergalerie) dokumentiert. 1983 wurde das Sägewerk geschlossen die Einwohner fürchteten um ihre Existenz. Künstler aus sämtliche Teilen Kanadas kamen nach Chemainus und malten die Geschichte des Ortes an die Fassaden der Häuser. Viele fantastische Bilder werden heute von Hunderttausenden von Besuchern im Jahr besichtigt. Das Sägewerk hat aber mittlerweile seinen Betrieb wieder aufgenommen, im Ort finden dank den Touristen viele Bewohner eine Arbeit.

Solche Wandermalereien findet man nun auch in anderen Orten der Insel (u.a. Victoria), aber auch bereits in Vancouver selbst.

Reto Blunier, Victoria BC

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