28.09.2018 13:15
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Gesundheit
Diese Krankheit ist nicht zuckersüss
«Ich habe Zucker.» Das klingt harmlos. Dahinter verbirgt sich aber die chronische Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Ein gesundheitsbewusster Lebensstil kann der Erkrankung an Typ 2 vorbeugen.

«Ich habe ein bisschen Zucker.» Das hört man hin und wieder. Eigentlich tönt das ganz harmlos. Ist es aber nicht. «Aussagen wie diese verharmlosen die negativen Effekte eines zu hohen Blutzuckerspiegels», sagt Marius Gehrig. Er ist stellvertretender Geschäftsführer von Diabetes Schweiz. «Eine unbehandelte Diabeteserkrankung schädigt den Körper schon lange Zeit,  bevor die ersten Symptome auftreten», sagt er.

Die mit den Jahren eintretenden Langzeitfolgen seien erheblich und schränkten die Lebensqualität stark ein, sagt er weiter. «Die Nierenfunktion nimmt ab, die Sehfähigkeit ist eingeschränkt, und Wunden an den Beinen können zu Amputationen führen», so der Experte weiter. Werde Diabetes jedoch frühzeitig und konsequent behandelt, könnten solche Folgeschäden vermieden oder auch stabilisiert werden.

«Alterszucker»

Es gibt zwei Haupttypen von Diabetes (siehe Kasten). Hier geht es um den Typ 2 (umgangssprachlich auch als «Alterszucker» bezeichnet), weil 90 Prozent der Erkrankten von diesem Typ betroffen sind.

Besonders gefährdet, daran zu erkranken, sind Leute mit erblicher Vorbelastung, wenn also in der Familie bereits jemand Diabetes Typ 2 hat. Das Risiko nimmt zudem mit steigendem Alter zu. «Dieses Risiko wird durch Übergewicht, Bewegungsmangel und fettreiche Ernährung stark erhöht, denn Übergewicht schwächt die Insulinwirkung ab», sagt  Gehrig.

Heimtückische Krankheit

Besonders heimtückisch ist die Krankheit, weil man sie nicht sofort bemerkt. «Im Durchschnitt besteht ein Diabetes Typ 2 bereits bis zu sieben Jahre, bevor er entdeckt wird», sagt der Experte. Dennoch gebe es Anzeichen, die auf Diabetes hinweisen könnten. «Bei dauerhaft erhöhtem Blutzuckerspiegel treten oft häufiges Wasserlassen, Durst, Schwächegefühl, trockene Haut und Neigung zu Infektionen auf.

Eine regelmässige Abklärung bei Ihrem Hausarzt lohnt sich, da der Test schmerzfrei und günstig ist», sagt Gehrig. Für Personen mit den erwähnten Risikofaktoren lohne es sich aber auch ohne diese Symptome, ab dem 40. Altersjahr alle drei Jahre ihren Blutzucker überprüfen zu lassen.

Gesunder Lebensstil

Man hat aber eine Möglichkeit, das Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes zu senken. «Den grössten Effekt erzielt man durch Gewichtsreduktion, mehr Bewegung und eine fett- und kohlehydratarme Ernährung», sagt Gehrig. Schon eine geringe Reduktion des Bauchumfangs habe eine grosse Wirkung auf die Insulinempfindlichkeit der Zellen.

«Denselben Effekt erzielt man durch 30 Minuten zusätzliche Bewegung pro Tag. Indem man mehr Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukte isst, vermeidet man einen zu raschen Blutzuckeranstieg», sagt er. Man solle zudem nicht zu viele tierische Fette mit  hohem Energiegehalt essen und ganz auf süsse Getränke verzichten, rät der Experte.

Bei einer Erkrankung

Ist man tatsächlich an Diabetes Typ 2 erkrankt, gilt es laut Gehrig, die Krankheit ernst zu nehmen und sich in regelmässige ärztliche Behandlung zu begeben (zwei- bis viermal pro Jahr). «Ist der Hausarzt nicht speziell auf Diabetes ausgerichtet, empfiehlt sich der Gang zum Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie», sagt er weiter. «Die verschriebenen Medikamente oder allenfalls das Insulin müssen zwingend nach der ärztlichen Vorgabe eingenommen werden», sagt Gehrig weiter.

Untersuchungen der Blutfettwerte, der Augen und der Füsse helfen mit, Langzeitfolgen vorzubeugen. Gehrig empfiehlt, den Arzt danach zu fragen, sollte er einen nicht selber darauf hinweisen. «Werden Sie selbst zum Spezialisten Ihres Diabetes und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Mit einer guten Blutzuckereinstellung erhalten Sie sich selbst Ihre Lebensqualität», sagt er weiter.

Die verschiedenen Diabetes-Typen

Der Diabetes mellitus, auch als «Zuckerkrankheit» bekannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich in einem erhöhten Blutzuckerspiegel äussert. Dieser entsteht durch einen absoluten Mangel an Insulin (Diabetes mellitus Typ 1) oder durch eine verminderte Wirkung des Insulins (Diabetes mellitus Typ 2). Insulin ist ein Hormon, das von den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und spielt bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels die wichtigste Rolle. Insulin ist wie ein Schlüssel, der bewirkt, dass sich die Zellen für die Aufnahme von Zucker (Glukose) öffnen. In den Zellen wird der Zucker in Energie für den Körper umgewandelt. 

Die meisten Menschen erkranken an einem Diabetes Typ 2 (etwa 90 Prozent), Diabetes Typ 1 tritt bei ungefähr 10 Prozent  der Betroffenen auf. Diabetes kann auch durch Infektionen, Medikamente etc. verursacht werden (wird auch als Diabetes Typ 3 bezeichnet) oder tritt erstmals bei einer Schwangerschaft auf, was dann als Gestationsdiabetes oder Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet wird (auch als Diabetes Typ 4 bekannt). 

Aufgrund der Entwicklung, einer immer älter werdenden Bevölkerung, den heutigen Lebensgewohnheiten und mangelnder körperlicher Bewegung steigt die Zahl der Diabeteserkrankungen laufend an. Weltweit sind rund 415 Millionen Menschen betroffen. Tendenz steigend. Man schätzt, dass bis im Jahr 2040 rund 642 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein werden (Quelle: IDF). In der Schweiz leiden wohl beinahe 500000 Menschen an Diabetes, davon sind rund 40000 Typ-1-Diabetiker. mgt

Quelle: www.diabetesschweiz.ch


SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE