14.02.2015 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Technik
Digitale Brille ermöglicht «erweiterte Realität»
Noch ist unklar, wer die Sieger und Verlierer der digitalen Brillenzukunft sind. Zwar ist Google mit dem ersten Modell seiner Datenbrille gescheitert, die Idee damit aber keinesfalls gestorben.

Dass Google Glass die Realität mit Infos ergänzt, die auf das Auge eingeblendet werden, ist unbestritten praktisch. Navigationsanweisung, Gebäudeinformationen, News und Nachrichten lassen sich so einfach lesen. In der Industrie und im Militär werden Datenbrillen bereits produktiv eingesetzt.

Dass Googles Brille aber sichtbare Personen auch gleich mit einem Namensschild versieht, lässt viele gruseln. Wohl auch deshalb wollten nur wenige mit einer Datenbrille durch den Alltag wandern und dabei permanent Daten, Fotos und Videos in die Datenwolke schicken.

Illusionen statt Daten

Zu Fantasien inspiriert die von Microsoft angekündigte Augmented-Reality-Brille Hololens. Sie erinnert mit Namen und Fähigkeiten an das berühmte Holodeck aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise. Beim Holodeck schafft der Computer einen virtuellen Raum, denn die Raumfahrer betreten. Sie befinden sich darin in einer künstlichen Realität und können mit den Objekten im Raum interagieren. Hololens schafft keine komplette künstliche Realität, sondern blendet vorläufig nur einzelne, künstlich geschaffene Objekte in das Gesichtsfeld ein. Sie schafft so eine «erweiterte Realität» (Augmented Reality).

Auf einem realen Tisch sieht man so einen künstlich geschaffenen Würfel. Das Verblüffende bei Hololens ist, dass man den Würfel mit der Hand berühren und verschieben kann. Eine in der Brille eingebaute Kamera erkennt die Gesten und passt die virtuellen Objekte in Echtzeit an. Bei ersten Demos blendete die Brille sogar mit der Hand knetbare Objekte, im Raum schwebende Telefon-Gesprächspartner oder schlicht eine Filmleinwand in die Realität ein.

Durch Spielwelten wandern

Während Hololens noch Zukunft ist, hat eine andere Brille für virtuelle Realitäten bereits Marktreife. Bei der Technik von Oculus Rift wird man aber von der Brille vollständig von der echten Welt abgeschottet und taucht in eine künstliche Welt ein. Weil unzählige Sensoren die Kopfhaltung sowie Kopf- und Körperbewegungen erfassen, kann man sich in dieser künstlichen Welt durch gewohnte Kopfdrehungen umsehen. Je ein hochauflösender Bildschirm für jedes Auge sorgen dabei für einen dreidimensionalen Bildeindruck.

Die Technik ist heute vor allem bei Spielentwicklern beliebt, hat aber auch praktische Anwendungen. Auf der Internetseite eines Hotels könnte man sich beispielsweise dank der Brille in Zimmern umsehen. Die Oculus Rift soll im Herbst als fertiges Produkt zu kaufen sein. Mit Morpheus entwickelt auch Sony eine Brille, welche an der Spielkonsole Playstation virtuelle Erlebnisse bieten soll. Und Bastelfreunde können beim Project Carboard aus Karton und Smartphone selber eine Brille basteln.

Kino auf der Nase

Wer bereits heute beim Zugfahren mit einer futuristischen Brille imponieren will, kann sich eine der bereits erhältlichen «Kino-Brillen» kaufen. In ihnen wird ein Film auf zwei kleine Farbbildschirmen abgespielt, die sich dicht vor dem Auge befinden. Dadurch entsteht die Illusion, dass man vor einer riesigen Leinwand sitzt. Weil die beiden Bildschirme unabhängige Bilder zeigen, eignen sich Kinobrillen auch perfekt für 3D-Filme.

Doch auch dieser Brillen-Typus konnte sich noch nicht durchsetzen. Denn er ist teuer und klobig. Ferner lassen sich Kino-Brillen nicht einfach an ein Handy anstöpseln. Stromverbrauch und Steuerelektronik machen Adapter und Kabel nötig. Und das zerstört dann leider den coolen «Men-in-Black»-Eindruck, den sich futuristische Brillenträger eigentlich wünschen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE