26.07.2013 07:49
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Doch kein Mythos: Schlechter Schlaf bei Vollmond
Viele Menschen klagen über schlechten Schlaf bei Vollmond. Doch zahlreiche Studien konnten keinen Zusammenhang finden. Nun haben Basler Forscher den Vollmond-Effekt bei einer kleinen Probandengruppe im Schlaflabor getestet - und tatsächlich etwas gefunden, teilte die Uni Basel am Donnerstag mit.

Ein Team der Universität und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel hat rückblickend die Daten von 33 Personen untersucht, die eine Woche lang im Schlaflabor gewohnt haben. Die Forscher massen Gehirnströme, Augenbewegungen und Hormonspiegel der Testpersonen in den verschiedenen Schlafphasen. 

Weniger Tiefschlaf 

Dabei stellte sich heraus, dass die innere Uhr auf den Rhythmus des Mondes reagiert, schreibt das Team um Christian Cajochen nun in der Fachzeitschrift «Current Biology». Die Personen berichteten von einer schlechteren Schlafqualität während Vollmondphasen und auch körperliche Reaktionen waren messbar. 

So fiel bei Vollmond die Aktivität in den Hirnarealen, die mit tiefem Schlaf in Verbindung stehen, um immerhin 30 Prozent. Ausserdem brauchten die Probanden im Schnitt fünf Minuten länger, um einzuschlafen, und schliefen 20 Minuten weniger lang. Auch die Werte des Hormons Melatonin, das Schlaf- und Wachphasen reguliert, lagen tiefer. 

Studie nicht auf Mond ausgerichtet

«Dies ist der erste zuverlässige Beweis, dass der Mondzyklus die Schlafstruktur bei Menschen beeinflussen kann», erklären die Forscher laut der Mitteilung. «Wir hätten das nicht erwartet» sagte Studienleiter Cajochen der Nachrichtenagentur sda. 

Trotz der kleinen Personenzahl hält er die Daten aber für aussagekräftig: Die hoch kontrollierte Studie erkundete eigentlich ein anderes Thema, weshalb weder Testpersonen noch Forscher zur fraglichen Zeit an den Mond dachten. Zudem waren die Probanden im Schlaflabor völlig abgeschottet von äusseren Einflüssen oder Licht und waren allesamt sehr gute Schläfer. 

Relikt vergangener Zeiten 

Die Schlafforscher vermuten nun, dass es neben den Tagesrhythmen des Körpers auch einen Mondrhythmus gibt. Ein solcher ist bei vielen Tieren, vor allem Meerestieren, gut dokumentiert. Er könnte ein Relikt aus vergangenen Tagen der Menschheit sein, als der Mond möglicherweise noch verschiedene Verhaltensmuster unserer Vorfahren beeinflusst hat. 

Heutzutage überstrahlten jedoch meist andere Einflüsse des modernen Lebens wie elektrisches Licht den Einfluss des Mondes auf den Menschen, schreibt die Uni Basel. Im kontrollierten Umfeld eines Schlaflabors jedoch könne er sicht- und messbar gemacht werden.

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