4.06.2016 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - rh
Solothurn
Dorf fragt sich: «Warum so was bei so vielen Kontrollen?»
15 Rinder in einem Laufstall für Mutterkühe auf einem ehemaligen Bio-Bauernhof in Boningen SO wohl mangels Futter verendet. Im Dorf fragt man sich, weshalb dieser Missstand so lange unbemerkt blieb.

Auf einem Bauernhof im solothurnischen Boningen haben der Amtstierarzt und die Polizei bei einer Kontrolle 15 tote Rinder vorgefunden. Zehn Rinder konnten gerettet werden. Eines musste nachträglich noch eingeschläfert werden. Die verendeten 15 Rinder hatten offenbar kaum und sehr mangelhaftes Futter zum Fressen.

Keine Seuchengefahr

Der Bauernbetrieb war am Samstagabend nach einem Hinweis aus der Bevölkerung kontrolliert worden, wie der Veterinärdienst des Kantons Solothurn am Mittwoch mitteilte. Untersuchungen zeigten, dass keine akute, übertragbare Seuche der Grund für die Situation sein konnte. Es bestand laut Behördenangaben zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Weshalb die Tiere verendet sind, wird im Moment abgeklärt. Schlechtes, mangelhaftes und vor allem viel zu wenig Futter stehe als Ursache im Vordergrund. Die Tiere hätten verschimmeltes Futter erhalten, sagte Kantonstierärztin Doris Bürgi auf Anfrage.

Tiere abgemagert

Ein Augenschein der überlebenden Tiere bestätigt, dass diese sehr abgemagert sind. Im Vergleich zur Hornlänge und Dicke sind einige Tiere höchstens halb so schwer wie dies selbst bei einer eher restriktiver Fütterung der Fall sein müsste. Ein Stier ist etwa drei Jahre alt und wiegt höchstens 250 Kilo.

«Persönliche Umstände» des Bauern führten laut Bürgi zum Drama. Der Landwirt muss mit einer Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz rechnen. Im Dorf Boningen ist der Bauer bekannt dafür, dass er gerne trinkt. Viele fragen sich heute, wieso dies so lange unbemerkt geblieben ist. Bauern würden doch pro Jahr einige Male kontrolliert.

Tiere fühlen sich nun wohl

Die angebaute Scheune mit Laufstall steht strassenabgewendet hinter der alten Scheune mit Wohnhaus. Die überlebenden Tiere, eines der 10 musste noch eingeschläfert werden,  wurden auf einen anderen Hof gebracht zu einem jungen Bauern und fühlen sich sichtlich wohl mit Aussenfressplatz, Futterraufe, tief eingestreuten Liegeboxen unter dem Vordach, eingestreute Liegeflächen in der Scheune und viel frischer Luft.

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