20.06.2017 16:46
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Aargau
Dramatische Kuhrettung
Glück im Unglück hatte Kuh «Belinda» am Sonntagabend in aargauischen Habsburg. Sie stürzte in ein sechs Meter tiefes Loch, dass mit Wasser gefüllt war. Das Erdloch stellte sich als ehemalige Gips-Abbaustelle heraus.

Belinda benötigte mehrere Schutzengel, um diesen Unfall zu erleben. Am Sonntagabend gegen 17.30 Uhr schaffte es die trächtige Kuh irgendwie, von der Weide in den mit einem rund 1.5 Meter hohen Maschendrahtzaun gesicherten Bereich der Doline zu gelangen.

Kuh kämpfte gegen das Ertrinken

Für die Kuh hatte das dramatische Folgen. Die Bretter, mit denen das Erdloch gesichert war, gaben nach. Das Rind fiel rund sechs Meter in die Tiefe. Auf den untersten drei Meter war das Erdloch mit Wasser gefüllt. Um nicht zu ertrinken, musste die Kuh also schwimmen. Und das zehrte an ihren Kräften.

Aufmerksame Anwohner haben den Vorfall beobachtet und alarmierten umgehend die Feuerwehr. Als die Einsatzkräfte am Unfallort eintrafen, war der Besitzer von Belinda, Landwirt Gerry Reutimann, bereits ins Loch hinabgestiegen. Denn die Kuh drohte im Erdloch zu ertrinken. «Das Wasser stand der Kuh bis zu den Augen, zwischendurch hatte sie den Kopf unter Wasser», berichtete Feuerwehrkommandant Stefan Hiltpold gegenüber der «Aargauer Zeitung». 

Schwierige Rettung

Rund zwei Stunden war der Landwirt zusammen mit der Kuh im Erdloch. Mit einem Strick hielt er sie fest. «Ich nahm ihren Kopf bei mir auf den Schoss und redete ihr gut zu», erklärte Reutimann. Sie versuchte regelmässig, aus dem Loch zu steigen. Die Kuh wurde immer wieder erschöpfter, es wurde ein Kampf mit der Zeit.

Die Feuerwehr begann zusammen mit dem Grossrettungsdienst Zürich und Aargau mit der Rettung. Dies gestaltete sich als äusserst anspruchsvoll. Um die Kuh zu bergen, musste mit einem Bagger das Loch vergrössert werden. Dabei fielen immer wieder Steine und Erde hinab. Das Loch wies einen Durchmesser zwischen 1.5 und 2.5 Meter auf.

Belinda erholte sich rasch

Nach rund zweieinhalb Stunden war es soweit. Die mit Gurten gesicherte Belinda wurde mit dem Bagger sanft aus dem Erdloch gehoben. Sie völlig erschöpfte und unterkühlte Kuh wurde umgehend mit warmen Wasser abgeduscht. Sie zog sich nur kleine Schürfwunden zu. Der beigezogene Tierarzt machte ihr noch einen Einlauf, wie ein Beitrag von «Tele M1» zeigt. Auch dem ungeborenen Kalb soll es gut gehen.

Nach wenigen Minuten hatte sich die Kuh schon soweit erholt, dass sie aufstehen konnte. Mit der Unterstützung der Helfer wurde die Kuh in den Stall gebracht. Landwirt Reutimann war überglücklich. «Zeitweise war ich sehr skeptisch, ob wir Belinda wieder aus dem Loch bringen. Sie hatte Mega-Glück», so Reutimann.

«Für Sicherheit ist Pächter zuständig»

Nach dem Abpumpen des Wassers aus dem Loch kam entdeckte Reutimann etwas Überraschendes. Er erkannte am Grund gewölbekellerartige Strukturen und Holzbalken-Verstrebungen. Besitzer des Erdloches ist Pro Natura. Der Gipsabbau-Stollen soll zusammen mit der Kantonsarchäologie untersucht werden.

«Wir sind froh, ist die Kuh wohlauf», sagte Johannes Jenny von Pro Natura gegenüber der «Aargauer Zeitung». Das Erdloch sei mit einem Zaun und Bretterns gesichert gewesen. Man sei nicht in der Pflicht. «Für die Sicherheit der Tiere hat der Pächter zu sorgen», so Jenni.

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