27.02.2014 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Sigrist
Schwyz
Dreister Diebstahl gibt zu denken
Aus der Scheune von Armin Schuler wurde sein Aebi gestohlen. Er vermutet hinter dem Diebstahl keinen Einzeltäter.

«Ich wollte nur rasch in das Tenn, um einen Besen zu holen», erzählt Armin Schuler und fährt sich mit der Hand durchs Haar. «Als ich sah, dass der Aebi nicht mehr da stand, ist mir das Wischen allerdings schlagartig vergangen.» Wie jeden Morgen war er vor der Arbeit zum Stall rübergefahren, um die vier Mutterkühe, die Kälber und die zehn Schafe zu füttern.

«Ich bin eigentlich ein Hobbybauer, mein Einkommen verdiene ich als Netzelektriker bei der Elektrizitätsversorgung Altendorf SZ. Aber seit nunmehr 15 Jahren komme ich zweimal pro Tag wegen der Tiere hierher.» 

Über Nacht geschneit

Das Ökonomiegebäude in Wangen, welches zum Bauernhof seiner Schwiegereltern gehörte, liegt am Fuss eines Hügels, davor eine geteerte Strasse und die grünen Lärmschutzwände der Autobahn Zürich– Chur, welche den Geräuschpegel allerdings nur bedingt verringern. Der Diebstahl muss sich zwischen Donnerstag, 13. Februar, 19.30 Uhr, und Freitagmorgen früh ereignet haben.

Natürlich ist ihm aufgefallen, dass der Viehwagen nicht mehr exakt am gewohnten Platz vor der Scheune stand, aber da es in der Nacht geschneit und gewindet hatte, machte sich Armin Schuler keine Gedanken. Die Scheunentüre lässt sich mit einem einfachen Riegel öffnen und der Aebi – nun, «den haben sie wohl überbrückt und sind weggefahren», mutmasst er. «Oder sie haben ihn aufgeladen.»

Kein Einzeltäter

Auf dem Septemberblatt des Aebi-Kalenders 2014 ist das gestohlene Modell abgebildet: Aebi Terratrac TT50. Rote Karosserie, graues Dach, keine Türen, Doppelräder hinten, Kennzeichen SZ 1846. Die Frontschaufel haben sie dagelassen. Den Ladewagen daneben auch. Sie, die Diebe. Na ja, vermutlich war es kein Einzeltäter, sagt Schuler. «Aber natürlich, das sind alles Spekulationen.»

Und die Kollegen im Dorf, was haben sie zum Diebstahl gesagt? «Das kann man sich wohl denken.» Armin Schuler zuckt mit den Schultern. «Aber ich kenne weder die Täter noch weiss ich, wo der Aebi jetzt ist.» Einige Leute in der Umgebung wollen in der bestimmten Nacht einen Aebi Richtung Pfäffikon fahren gesehen haben, aber auch das sind nur Gerüchte.

Dass jetzt eine Journalistin bei ihm auftaucht, nach der Lokalzeitung schon die zweite, ist ihm irgendwie nicht recht. Aber sein Kollege Pius Stucki, ebenfalls aus Altendorf, hat ihn gedrängt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Damit er vom Unrecht berichtet und sich dadurch vielleicht einen Teil des Ärgers und der Last von der Seele reden kann.

Aebi war Herz des Betriebs

Nach dem Artikel in der Lokalzeitung hätten ihn dann mehrere Leute angerufen und Bedauern für seine Situation ausgedrückt. Trotzdem war er vergangenes Wochenende nicht zwäg. «Ich habe keine Feinde», da ist er sich sicher. «Und auch wenn der Stall eher abseits steht, jemand muss mich gezielt beobachtet haben. Aber die Umstände, die treffen mich. Der Aebi war das Herz des Betriebs. Er fehlt mir an allen Ecken und Enden.»

Und wenn er wieder einen neuen habe, werde er wohl ein Schloss an der Scheunentüre anbringen müssen, sinniert er. Das unbeschwerte Gefühl wird trotzdem nicht zurückkehren. «Es ist einfach traurig.»

Ein Einzelfall

Letzten Sommer wurde in der Allmeind in Wangen ein Kreiselheuer gestohlen. Im Vorwinter ein Wagen mit Kreiselschwader in Schübelbach, erinnert sich Armin Schuler. Doch die Kantonspolizei Schwyz, welche die Ermittlungen aufgenommen hat, kann nicht von einer Häufung von Diebstählen sprechen. «Es ist ein absoluter Einzelfall», stellt Florian Grossmann, Chef Information und Prävention der Kantonspolizei, klar. «In unserem Kanton werden selten landwirtschaftliche Fahrzeuge oder Maschinen gestohlen.»

Das tröstet Armin Schuler nicht. Er besucht nun im Internet regelmässig die Seiten, auf welchen Fahrzeuge verkauft werden. Und mit einem schiefen Lächeln meint er: «Wer weiss, vielleicht kann ich mir meinen Aebi zurückersteigern…» Doch lieber wäre ihm, das Fahrzeug würde eines Morgens wieder vor dem Stall stehen. Als wäre nie etwas passiert.

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