8.08.2018 14:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Durstige Kühe: Verfrühte Alpabfahrt
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Auch bei uns ist es nun heiss geworden und die Bilder, welche in der Ostschweiz und im Jura vor drei Wochen aufgenommen wurden, sind bei uns Realität geworden. Wir haben eine weitere trockene Woche hinter uns, in der das Gras in Fahrni deutlich weniger geworden ist.

Durstige Kühe am Freitag

Auch die Quelle auf der Alp versiegt langsam. Töbu weckte sich vergangene Woche in der Nacht mehrmals, um den Generator zu starten und das Wasser aus dem Brunnen in das Reservoir zu pumpen. So konnten die Kühe tagsüber aus der Selbsttränke im Stall saufen. 

Die Zwischenzeiten, bis der Brunnen wieder vollgelaufen ist, werden immer länger und der Durst der Kühe, durch die zunehmende Hitze, immer grösser. Am Freitagabend war dann die traurige Situation, vor der sich unsere Gedanken immer geweigert hatten; die Galtkühe standen durstig vor dem leeren Brunnen. 

Alpabfahrt passt nicht allen


So waren wir gezwungen, unseren Notplan umzusetzen und am Samstagmorgen die zwölf laktierenden Kühe nach Fahrni zu transportieren. Da das Kalb Malaga noch Milch bekommt, haben wir aus logistischen Gründen die fünf Kälber auch mitgenommen. Natürlich waren da nicht ganz alle mit unserem Plan einverstanden. Zwei ältere Kuhdamen machten uns einen Strich durch die Rechnung.

Unser Fürstentum hat sture Köpfe

Es handelte sich Caramel und Fee. Man könnte die zwei Kühe auch Fürstentum nennen. Caramel, die Fürstin, welche immer ihren eigenen Kopf durchsetzen muss und Fee, die Dumme, die ihr kopflos folgt. Beim Runtertreiben wartete Caramel einige Minuten, bis sie etwas abseits stand. Sie passte den perfekten Moment ab und rannte blitzschnell seitwärts den steilen Hang entlang - natürlich in die falsche Richtung. Fee wartete nicht lange und zog ihr nach.

Havanna und Delta retten die Situation

Töbu und ich mussten uns auf die restlichen Kühe konzentrieren, wenn wir nicht plötzlich alle verstreut haben wollten. So liessen wir die zwei gewähren. Zum Glück begriffen Havanna und Delta, worum es ging und führten die jüngeren Kühe den steilen Weg zum Viehtransporter. 

Dort angekommen, verluden wir die ersten sechs Kühe, brachten sie nach Fahrni. Die restlichen Teire warteten in einer kleinen Weide. Bei der zweiten Fahrt nahm Töbu den zweiten Traktor mit der Viehbänne mit, um die Kälber runter zu transportieren. 

Gerechte Strafe


Wieder oben beim Stall angekommen, sahen wir die zwei Ausreisserinnen. Was wollten wir anders tun, als sie an der Viehbänne anzubinden? Denn schliesslich musste eines von uns mit dem Traktor und den Kälbern runterfahren. Unsere Erfahrung erinnerte uns daran, dass es beim zweiten Versuch nicht besser würde. Und überhaupt fanden wir es eine angemessene und gerechte Strafe für ihr Verhalten, denn «trötzelen» können wir genauso gut wie die zwei. ?

Wehmütige Älpler und glückliche Kühe

In Fahrni genossen die Kühe das frische Heu und sahen sehr glücklich aus. Bei Töbu und mir ist da mehr Wehmut zu spüren. Gerne wären wir noch einige Tage geblieben. Doch wir wollen nicht jammern. In anderen Gebieten ist es viel trockener und die Situation dramatischer. Bei uns in Fahrni ist es wenigstens grösstenteils noch grün, auch wenn nicht mehr viel Gras wächst. 

Hat auch Vorteile

Zudem hat der verfrühte Alpabzug auch Vorteile mit sich gebracht. Beispielsweise hat Fee am Sonntag bereits wieder 34 Liter Tagesmilch geleistet, dies war auf der Pfidertschegg nicht mehr so. Diese Woche habe ich eine Weiterbildung in Bern für das neue Schulfach Medien und Informatik.

Wenn wir noch auf der Alp melken würden, würde Töbu oben schlafen und ich würde ihn eine ganze Woche nie sehen. So kann ich am Abend nach Hause kommen und wir können gemeinsam die restlichen Tiere auf der Alp kontrollieren, ihnen ausmisten und den kühlen Feierabend bei einem Fondue geniessen.

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