4.08.2017 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Lebensmittelskandal
Eier-Skandal: Situation unter Kontrolle
Der Skandal um insektizidbelastete Eier betrifft offensichtlich weite Teile Deutschlands. Noch sind Fragen offen: Sind nur Eier belastet oder auch Kuchen und Nudeln? Brüssel beschwichtigt, Discounter reagieren.

Im Skandal um Millionen Eier, die mit dem Insektenvernichtungsmittel Fipronil belastet sind, hat die EU-Kommission die Konsumenten beschwichtigt. «Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen und die Situation ist unter Kontrolle», sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Donnerstag. 

«Wir stehen in Kontakt mit unseren Kollegen in den Mitgliedstaaten, die mit der Sache befasst sind.» Eine weitere Sprecherin sicherte zu: «Sie können also unbeschadet Eier essen, hoffentlich.» Inzwischen wurden aber in mehr als der Hälfte der deutschen Bundesländer Funde von Eiern bekannt, die mit dem Mittel belastet waren.

Höfe geschlossen

Auch fünf niedersächsische Legehennenhalter stehen unter Verdacht, Ställe mit fipronilhaltigem Anti-Läusemittel Dega-16 desinfiziert zu haben. Ihre Höfe wurden geschlossen. Bei einem von ihnen wurden schon belastete Eier festgestellt. 

Unklar ist, ob auch Lebensmittel belastet sein können, in die Eier verarbeitet wurden. Die niederländischen Behörden kontrollieren Produkte wie Teigwaren oder Kuchen.

Nulltoleranz für Stoffe

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) betonte: «Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen.»

Eine rückhaltlose Aufklärung forderte Martin Rücker von der Konsumentenorganisation Foodwatch. «Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden.»

Versagen der Krisenkommunikation

Konsumentenschützer klagten über ein Versagen der Kriseninformation. «Wir brauchen zukünftig konkrete Verhaltensempfehlungen im Sinne einer Krisenkommunikation - und zwar bundesweit einheitlich», sagte Jutta Jaksche vom Bundesverband der Konsumentenzentralen.

Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nahmen die Eier von Höfen unter Fipronil-Verdacht aus den Regalen. Edeka hingegen sieht keine Veranlassung, etwas aus dem Regal zu nehmen. Einen Verkaufsstopp für alle niederländischen Eiern verhängten Rewe und Penny.

Panikmache kritisiert

Der Verband der niederländischen Geflügelzüchter kritisierte den radikalen Schritt. «Alle niederländischen Eier, die nun in den Handel kommen, sind garantiert frei von Fipronil», sagte der Verbandsvorsitzende Eric Hubers. Zu den Warnungen der Behörden im eigenen Land sagte er. «Das ist Panikmache, denn man weiss, dass es keine Risiken gibt.» Die Züchter erwarten grosse Einkommensverluste durch die Affäre. In den Niederlanden werden jährlich zehn Milliarden Eier produziert. 60 bis 70 Prozent davon sind für den Export bestimmt.

Zu den Ermittlungen gegen ein flämisches Unternehmen, das als Verursacher verdächtigt wird, machte die Staatsanwaltschaft in Antwerpen keine Angaben. Die Firma soll dem Anti-Läusemittel Dega-16 den Stoff Fipronil beigemischt haben, der in der Geflügelzucht verboten ist. Über eine niederländische Firma wurde das Mittel weiter verbreitet. Die Firmen äusserten sich bislang nicht.

Keine verseuchten Eier in der Schweiz

Dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) liegen bisher keinerlei Hinweise vor, dass mit Fipronil belastete Eier in die Schweiz gelangt sein könnten. Das gehe aus Abklärungen der betroffenen Länder zuhanden der EU-Behörden hervor, sagte BLV-Sprecherin Eva van Beek am Mittwoch auf Anfrage.

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