29.12.2012 10:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Strohhotel
Ein Hotel, gebaut aus Stroh
95 Tonnen Holz und 55 Tonnen Stroh wurden zum Bau des Strohhotels in Nax, Wallis benötigt. Nur das Fundament ist aus Beton. Es sei das erste Strohhotel Europas.

Es sei das erste Hotel in Europa, das ganz aus Strohballen gebaut wurde, werben Louis Papadopoulos und Ehefrau Lisa aus Nax.  «Wir haben nur Material verwendet, das die Natur uns bietet, ganz ohne Chemie.»  Die Lehmwände wurden selbst verputzt  mit natürlichen Farben der Erde.

Gestapelt und gepresst

In den zwei Gebäuden – einem Hauptgebäude mit Rezeption, Küche und der eigenen Wohnung sowie dem Bettenhaus mit den acht Gästezimmern – wurden insgesamt 95 Tonnen Holz und 55 Tonnen Stroh verbaut. Nur das Fundament wurde traditionell mit Beton gelegt. Grund dafür sind die Suonen, die in der Nähe Wasser führen. Würde das Stroh nach einem möglichen Überfliessen oder Überschwemmen feucht, wäre das Fundament dauerhaft geschädigt. Nachdem das Fundament aber noch im vergangenen Dezember gelegt war, fertigte man während der Wintermonate Elemente in einer Zimmerei vor. Sobald im Frühjahr wieder auf der Baustelle gearbeitet werden konnte, mussten die fertigen Elemente praktisch nur noch zusammengesetzt werden.

Für das Hauptgebäude wurde zunächst ein Kasten aus Holz angefertigt. In diesen   wurden die Strohballen hineingestapelt und gepresst, sodass keine Hohlräume entstanden. Beim Bettenhaus wurden erst die acht fast identischen Zimmer vorgefertigt und montiert. Hier wurde das Stroh anschliessend zwischen und um die einzelnen Zimmer aufgeschichtet und mit Holz verkleidet. Allerdings wurde das Stroh höher aufgeschichtet, als das Holz hoch war. Gepresst wurde das Stroh durch das Eigengewicht des Dachs, das anschliessend oben aufgesetzt wurde. Auf diese Weise tragen Holz und Stroh zusammen das ganze Gebäude. Oben wurde dann noch einmal eine 1 Meter dicke Strohdecke aufgeschichtet. Sollte das Dach allerdings aus irgendwelchen Gründen Feuer fangen, wurde darüber auch noch eine 10 Zentimeter dicke Kiesschicht gelegt. Im vergangenen Oktober wurde das Maya Guesthouse – benannt nach einem nahen Berggipfel – eröffnet.

Traditionell und regional

Selbst wenn die acht vorgefertigten Räume äusserlich praktisch identisch sind, unterscheiden sie sich  in der Innenausstattung. «Wir haben für jedes Zimmer mit acht verschiedenen Hölzern aus dem Zentralwallis Betten machen lassen», betont Papadopoulos. So wirken manche  rustikal, andere dagegen schlicht oder modern. Selbst die Stühle im Restaurant wurden aus alten Rotweinfässern hergestellt. Auch im Restaurant setzen die beiden auf traditionelle Walliser Rezepte und einheimische Produkte. Letztlich trug die Nähe zu einer noch «funktionierenden Landwirtschaft» auch dazu bei, dass sie sich für ihr eigenes neues Zuhause und das Strohhotel das Dorf Nax oberhalb Sion ausgesucht haben. «Das Stroh schafft ein angenehmes Raumklima und isoliert sehr gut», freut sich Papadopoulos. Daher werden für 1Kubikmeter auch nur 12Kilowatt Energie verbraucht – noch deutlich weniger als für ein Haus nach Minergiestandard P.

www.maya-guesthouse.ch

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