3.08.2013 06:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Esaf 2013
Ein Schwinger, der als Bauer zupackt
Schwinger Thomas Sempach aus Heimenschwand BE war am letzten Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld Vierter. Er gehört auch heuer zum erweiterten Favoritenkreis.

Thomas Sempach ist Bauer. Das zeigte sich am letzten «Bernisch-Kantonalen» in Niederscherli BE. Als das Rind Samoa — einer der Lebendpreise — das Weite suchte, fing der gelernte Bauer es wieder ein. Für ihn eine Selbstverständlichkeit: «Das Rind war wild.  Als Bauer und Feuerwehrmann habe ich es als Gefahr gesehen.» Am Fest belegte er  gemeinsam mit Matthias Sempach, der den Schlussgang gegen Schwingerkönig Kilian Wenger verloren hatte, den 5. Schlussrang.

Schwingerdynastie

Der gleiche Name ist kein Zufall. Thomas und Matthias Sempach sind Cou-Cousins. In der Schwingerdynastie haben schon viele geschwungen. So auch Thomas’ Vater Urs, der als Metzger arbeitet. Sempach ist also nicht als Bauernsohn aufgewachsen. Aber seine ledigen Onkel Fritz und Hans haben ihren Landwirtschaftsbetrieb gleich nebenan. Er war deshalb von klein an oft dort anzutreffen: «Für mich war immer klar, dass ich Bauer werden will.» Nachdem er 2004 die Landwirtschaftsschule Schwand abgeschlossen habe, seien seine Onkel erst Mitte 50 gewesen. «Also habe ich Maurer gelernt und arbeite seither bei der Bauunternehmung Frutiger in Thun», erklärt er.  Seit 2012 bewirtschaftet er nun den Landwirtschaftsbetrieb seiner Onkel mit diesen in einer Betriebsgemeinschaft.

Delaval als Sponsor

Sein Arbeitgeber Frutiger ist auch sein Hauptsponsor. Überhaupt sei ihm wichtig, Firmen als Sponsoren zu haben, denen er nahe stehe und mit denen er sich identifizieren könne. Neben Frutiger sind dies der Fleischverarbeiter Lüthi&Portmann, deren Eigentümerfamilie Lüthi aus der benachbarten Gemeinde Linden stammt, sowie die Melktechnikfirma Delaval. «Felix Neuenschwander von Delaval hat mich beim Stallumbau beraten, der notwendig war, um den verschärften Tierschutzvorschriften zu entsprechen», berichtet er. Einen Grossteil der Maurerarbeiten habe er gleich selber durchgeführt: «Wir haben die Schiebebarren herausgenommen und den Anbindestall von 22 auf 20 Plätze reduziert.»

Fernziel sei ein neuer Laufstall, was allerdings wohl nur möglich werde, wenn er einst den 15-Hektar-Betrieb vergrössern könne. Denn die Viehzucht sei ihm wichtig, wenn auch der  Stalldurchschnitt der Red-Holstein- und Swiss-Fleckvieh-Kühe mit 7000 kg pro Laktation nicht extrem hoch sei. «Wir sind in der Bergzone I und produzieren silofreie Käsereimilch», begründet er. Die Milch wird von Niklaus Haldimann, dem aktuellen Weltmeister beim Emmentaler-Käse, verarbeitet.

57 Kränze gewonnen

1993 nahm Sempach am ersten Bubenschwingen teil. Den ersten Festsieg errang er 2004 in Emmenmatt am Emmentalischen. Als 19-Jähriger konnte er 2004 in Luzern den ersten eidgenössischen Kranz gewinnen. Mittlerweilen sind es 57 Kränze geworden. Dies trotz einem Karrieretief in den Jahren 2005–2007: «Ich hatte  zweimal Kreuzbandriss, zweimal die Kniescheibe raus und einmal das Band im Fussgelenk angerissen.»

In der Folge  habe er das Training komplett umgestellt. Seine Trainingspläne schreibt seither Thomas Stauffer, der Trainer der deutschen Frauen-Skinationalmannschaft, der aus der Nachbargemeinde Unterlangegg stammt: «Seither habe ich das bessere Körpergefühl.» Nach der Verletzungsserie sei der Sieg am Schwägalpschwinget 2008 die grösste Genugtuung in seiner Karriere gewesen. «Seit den Verletzungen geniesse ich die Erfolge viel mehr», fügt er an. Für das Eidgenössische in Burgdorf habe er sich deshalb trotz dem vierten Rang am letzten Eidgenössischen in Frauenfeld ganz einfach den Kranzgewinn vorgenommen.

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