20.01.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Interview
Eine Bäuerin macht Werbung
Brigitta Knörr aus Nennigkofen SO ist derzeit wieder auf vielen Plakaten in der ganzen Schweiz zu sehen. Dort tritt die Bäuerin als leidenschaftliche Bäckerin auf. Sie sagt, wie oft und was sie im Einzelnen backt.

«Schweizer Bauer»: Seit Anfang Jahr sind die Plakate der Kampagne «Schweizer Bauern. Von hier, von Herzen» wieder aufgehängt. Haben Sie sich selbst auch gesehen? 
Brigitta Knörr: (lacht) Ja, ich wusste nicht, dass die letztjährige Kampagne wieder aufgenommen wird. Plötzlich sagte mein Sohn: Mami, du hängst in Solothurn. Kurz darauf sah ich mich in Solothurn tatsächlich selbst auf einem Plakat. Dann meldeten Kolleginnen, dass ich auch in Bern oder Basel zu sehen bin. 

Wie kam es denn dazu, dass Sie für die Kampagne fotografiert worden sind? 
Beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) kannte man mich bereits, da ich im Jahr 2010 bei der TV-Sendung Landfrauenküche mitgemacht hatte. Später habe ich bei einem Tag der Milch mitgeholfen und dort mit unseren Kleintieren einen Streichelzoo in der Stadt Solothurn betreut. Ich nehme an, dass ich deswegen angefragt worden bin. 

Mit welchen Kleintieren waren Sie damals in der Stadt? 
Mit Gämsfarbigen Gebirgsziegen. Die kommen bei den Leuten, insbesondere natürlich bei den Kindern, immer gut an, weil sie neugierig sind und sich streicheln lassen. Und Kälber von unseren Swiss-Fleckvieh-Milchkühen nahmen wir damals auch mit.  

Wohin mussten Sie für die Aufnahme der Fotos fahren? 
In die Nähe von Zürich auf den Hof von Dominic Haab in Mettmenstetten ZH. Ich dachte mir bei der Zusage auch: Das ist ja auch noch ein Ausflügli, wo ich eine neue Ecke der Schweiz kennenlerne. Man sagte mir, ich solle das anziehen, was ich sonst im Alltag auch trage. Und ich nahm Mehl und einige Ähren von unserem eigenen Weizen mit. Denn es war abgemacht, dass es bei mir um das Backen gehen soll. 

Seit wann backen Sie?  
Ich darf sagen, das Backen ist mir in die Wiege gelegt worden. Meine Eltern Pia und Urs Meier-Friker  in Niedergösgen SO  haben immer gebacken und tun es heute noch im Alter von 75 bzw. 88 Jahren. Sie haben einen Brotbackofen, bei dem sie noch anfeuern müssen. In unserer Familie war das Backen ein Ritual, wir Kinder haben geholfen, und wenn es nur um das Öffnen und das Schliessen des Türchens ging, damit möglichst wenig Wärme entweicht. Das Backen hat mir immer gefallen, so habe ich mir das angeeignet. Auch im Hauswirtschaftslehrjahr haben wir gebacken. Als unsere Familie wuchs, brauchte es mehr Brot, so habe ich begonnen, Brot zu backen, und natürlich Zopf. Zuerst habe ich nur für die Familie gebacken, dann kamen Anlässe dazu, vom Turnverein etwa, wo man mich fürs Backen anging. Dann fragten Freunde und Bekannte, ob ich für sie backe, das Brot sei so fein. Dann kaufte ich bessere Öfen und eine Knetmaschine. 

Was für einen Backofen haben Sie? 
Seit ein paar Jahren bin ich besser eingerichtet mit professionellen Öfen. Ich habe zwei elektrische Öfen, die je rund 1 Meter 30 tief und 90 Zentimeter breit sind. So kann ich zwölf Kilogramm Mehl verbacken. Sie sind von der Firma Pava aus Oensingen SO, auch die Knetmaschine habe ich dort gekauft.  

Verkaufen Sie auch Brot auf Ihrem Hof? 
Ich backe montags und donnerstags in beiden Öfen. Das hat sich so ergeben, weil im Dorf andere Bauernfrauen teilweise an anderen Tagen backen. In unserem Dorf gibt es keinen Laden mehr. Entweder backe ich auf Bestellung oder ich mache genügend Pfünderli und lege sie am Eingang der Zufahrtsstrasse in ein Postwägeli. Dort steht «Brot zu verkaufen» und man kann es in Selbstbedienung kaufen. Und an besonderen Samstagen backe ich Butterzopf und mache auf Facebook, in meinem Brotback-Chat auf Whatsapp oder im Whatsapp-Status im Freundes- und Bekanntenkreis gratis Werbung dafür und backe dann entsprechend den Bestellungen. Die Bevölkerung haben wir auch am Tag der offenen Hoftüren 2019 eingeladen und verwöhnt.   

Und Torten backen Sie auch? 
Ja, ab und zu, etwa Schwarzwäldertorte, Ananastorte, Quarktorte

...die aufwändigen Torten ..
(lacht) Ja, ich mache sie von Grund auf selbst inklusive Biscuit.  

Und woher haben Sie Ihr Mehl? 
Mir ist wichtig, dass ich dafür keine weiten Wege machen muss. Ich kaufe in der Landi in Leuzigen BE Schweizer Mehl. Und zuhause habe ich immer auch Mehl, das ich von unserem eigenen IP-Suisse-Weizen mithilfe einer kleinen Mühle selbst mahle. Mein eigenes Mehl mische ich darunter, und ich habe das Gefühl, dass dies dem Brot den besonderen und feinen Geschmack gibt. 

Neben dem Backen – welche anderen Aufgaben haben Sie auf Ihrem Bauernbetrieb?  
Ich bin für Haus und Garten zuständig, und für die Kleintiere. Mein Mann Jürg und ich haben vier Kinder, von denen drei noch auf dem Hof leben. Und wir haben einen Lehrling auf unserem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Ich schaue zu unseren 5 Ziegen, 2 Enten und 4 Hühnern. Und dann haben wir noch 2 Gänse, die quasi den Hof bewachen, denn unser Hund ist dafür zu lieb. Auch um das Haflinger Pferd und das Shetland-Pony kümmere ich mich.  

Und Sie haben einen Garten? 
Ja, einen Gemüsegarten mit Buchs, der mit allem Drum und Dran viel zu tun gibt. Aber das habe ich so gewollt. Das Dekorative mit dem Buchs und dem Rondell in der Mitte und dem Kreuz gefällt mir sehr gut. Und dann eben die Haushaltung mit Kochen, Aufräumen, Waschen etc. Ferner bin ich im Turnverein engagiert. Alle zwei Wochen betreue ich eine Gruppe behinderte Erwachsene aus der Institution Rodania in Grenchen SO. Und einen Tag in der Woche arbeite ich auswärts, da helfe ich zwei Parteien in der Haus- und Gartenarbeit. Es sind ältere Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.  

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