16.04.2019 13:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Schmuggel
Elfenbeinhandel: Kritik an Schweiz
Tansania ist laut einem Medienbericht verärgert über die Art und Weise wie die Schweiz einem Fall von Elfenbeinhandel nachgegangen ist. Es geht um 262 Kilogramm Elefanten-Stosszähne, die der Zoll 2015 am Flughafen Zürich sicherstellte.

Die Lieferung hatte China als Ziel. Drei chinesische Kuriere hatten das Elfenbein aus Tansania nach Zürich gebracht, versteckt in acht Rollkoffern. Die drei Männer wurden festgenommen, aber gegen ein Bussgeld-Depot von 100'000 Franken wieder auf freien Fuss gesetzt.

Unbehelligt geblieben

Die Kuriere hätten lediglich 3000 Franken bezahlt, seien nach Peking abgereist und seither von den Schweizer Behörden unbehelligt geblieben, berichtete die Westschweizer Zeitung «La Liberté» am Montag. Das Büro des tansanischen Generalstaatsanwaltes sei empört über die Leichtigkeit, mit der die Schweizer Behörden mit dem Fall umgingen.

Der Schwarzmarkt-Wert des sichergestellten Elfenbeins war damals auf rund 400'000 Franken geschätzt worden. Mathias Lörtscher, Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), sagte damals, es bringe wenig, die Kuriere festzuhalten. Sie würden ihre Auftraggeber kaum preisgeben.

Das BLV erwartete 2015, dass die Kuriere mit Bussen von bis zu 40'000 Franken davonkommen würden. Solche Strafen seien leider viel zu niedrig und zu wenig abschreckend, sagte Lörtscher damals.

Rechtshilfeersuchen nach China geschickt

Beim BLV hiess es am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, es sei ein Strafverfahren eröffnet und vor über drei Jahren ein Rechtshilfeersuchen nach Peking geschickt worden. «La Liberté» schrieb unter Berufung auf Quellen aus Umweltschutz und chinesischem Zoll, China betrachte den Fall als erledigt.

Denn die Behörden hätten das Elfenbein konfisziert und ein Bussgeld-Depot auferlegt. Lörtscher entgegnete, China habe keine solche Antwort gegeben. Weshalb Peking dem Rechtshilfeersuchen bisher nicht nachgekommen sei, wisse man nicht. Weitere Angaben machte das BLV wegen des laufenden Verfahrens nicht.

Lörtscher plant, seine chinesischen Gesprächspartner an der nächsten Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites) auf die Angelegenheit anzusprechen. Die Konferenz findet im Mai in Sri Lanka statt.

Ungewohnt riesiger Fund

Der Elfenbeinfund vom Juli 2015 war der damals grösste, der je am Flughafen Zürich sichergestellt wurde. Fälle dieses Ausmasses seien in der Schweiz ungewohnt, hiess es beim BLV.

In den meisten Fällen, in denen gegen das Gesetz über den Verkehr mit Tieren und Pflanzen geschützter Arten verstossen wird, gehe es um kleinere Vergehen, etwa Probleme mit nicht konformen Bewilligungen, so das BLV. Über 90 Prozent der Hunderten von Fällen pro Jahr endeten mit einem Verwaltungsverfahren ohne Busse. 

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