22.10.2014 13:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Migros
Elsa verkauft Hitler-Kaffeerahmdeckeli
Die Migros-Tochter Elsa mit Sitz in Estavayer-le-Lac hat Kaffeerahmdeckeli mit Porträts von Adolf Hitler und Benito Mussolini vertrieben. Die Migros spricht von einer «unverzeihlichen Fehlleistung» seiner Tochter und entschuldigt sich. Bei der Berner Firma Karo Versand, welche die Motive auswählte, zeigt man hingegen keine Einsicht.

Entdeckt wurden die Deckeli mit den Hitler-Motiv von einem Leser der Gratiszeitung "20 Minuten". Es genehmigte sich in einem Take-Away-Shop im aargauischen Baden einen Kaffee. "Ich finde das geschmacklos", sagte er gegenüber dem Blatt. Shop-Besitzer Guido Moser zeigte sich empört. Er wies seine Mitarbeiter an, in weiteren Shops nach den Rahmdeckeli zu suchen. Dabei kam ein weiteres Motiv zu Tage. Benito Mussolini wurde ebenfalls auf den Kaffeerahmdeckeli abgebildet. "Wir distanzieren uns klar von den Bildern, die Hitler und Mussolini zeigen", machte Moser gegenüber "20 Minuten" deutlich.

Kontrollen sollen "drastisch" verschärft werden

Die Motive hätten niemals ausgeliefert werden dürfen, sagte Migros-Sprecher Luzi Weber am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte damit den Bericht von «20 Minuten». Die Motive, welche die Firma Karo Versand entworfen habe, seien ohne nähere Begutachtung übernommen worden.

«In Zukunft werden wir unsere Kontrollen für diese Produkte drastisch verschärfen», sagte Weber. Migros-Filialen seien aber nicht betroffen. Die insgesamt 300 Schachteln à 200 Kaffeerahm-Portionen seien ausschliesslich an Gastrobetriebe verkauft worden. Die Porträts der beiden Diktatoren kämen je rund vier Mal pro Packung vor.

Versand versteht Aufregung nicht

«Das Bild ist eines von vielen in der Geschichtsreihe Cigar Bands, welche seit zwei Jahren für Sammler auf dem Markt ist», sagte Karo-Versand-Geschäftsführer Peter Wälchli auf Anfrage zu einem Bericht von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das Bild habe man damals aus einem Zigarren-Buch gewählt. Er verstehe nicht, warum es jetzt - nach zwei Jahren - zu einem solchen Medienrummel komme.

«Klar ist es schlimm, was unter Hitler geschah», sagte Wälchli, dessen Firma in Grosshöchstetten BE angesiedelt ist. Aber das sei halt ein Teil der Geschichte, der nicht ignoriert werden könne. «Auch heute geschehen schlimme Sachen - in Syrien werden Menschen geköpft.» Für Wälchli macht es keinen Unterschied, ob Hitler in einem Spiel- oder Dokfilm dargestellt wird, oder auf Kaffeerahmdeckeli zu Dekorationszwecken abgebildet wird. «Neue Hitler-Deckeli produzieren wir jedoch keine mehr.»

Migros bricht Geschäftsbeziehungen ab

Nach den Äusserungen von Wälchli platze der Migros der Kragen. Am Mittwochnachmittag entschied diese, alle Verbindungen zum Berner Unternehmen zu kappen. Via Twitter vermeldete der Detailhandelsriese: "Die Äusserungen von Wälchli sind für uns inakzeptabel. Wir distanzieren uns in aller Form von der Karo-Versand GmbH und brechen die Geschäftsbeziehungen per sofort ab."

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