29.07.2014 16:48
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Emme: Wehe, wenn der «Eggiwilfuehrme» kommt
Normalerweise ist die Emme ein gemütlich dahinplätschernder Fluss in einer grünen, hügeligen Landschaft mit hablichen Höfen und schmucken Dörfern. Doch von Zeit zu Zeit zeigt die Emme ihr zweites, hässliches Gesicht.

«Grau und grausig aufgeschwollen durch hundert abgeleckte Bergwände, stürzt sie aus den Bergesklüften unter dem schwarzen Leichentuche hervor, und in grimmigem Spiele tanzen auf ihrer Stirne hundertjährige Tannenbäume und hundertzentrige Felsenstücke, moosischt und ergraut», schreib der Emmentaler Pfarrer und Dichter Jeremias Gotthelf über die Wassernot im Emmental von 1837.

Die Emme, die im Gebiet zwischen Hohgant und Brienzergrat entspringt, ist berüchtigt dafür, dass es bei Gewittern zu Flutwellen kommen kann - der gefürchtete «Anschutz». Mitverantwortlich dafür ist das grosse Einzugsgebiet des Flusses.

Mittelalterlicher Siedlungsdruck

Besonders die flussnahen Niederungen, die Schachen, sind der Emme ausgesetzt. Vor Jahrhunderten bildeten sie einen Puffer zwischen dem damals noch unverbauten, wilden Fluss und den höher gelegenen Siedlungen.

Als nach Seuchen und Kriegszügen die Bevölkerung wieder wuchs, wurde das Landwirtschaftsland knapp. Vor allem ärmere Taglöhner wichen in die hochwassergefährdeten Schächen aus, wie aus der Broschüre «befreite Emme - lebendiger Fluss» des kantonalen Tiefbauamts aus dem Jahr 2005 zu lesen ist. Diese neu genutzten Flächen galt es besser vor Hochwasser zu schützen. Es entstanden lokale erste Hochwasserschutzmassnahmen, etwa indem Tannen mit dem Giebel voran ins Wasser gestürzt und am Ufer befestigt wurden.

Begradigt, kanalisiert und doch unberechenbar

Doch lokale Anstrengungen reichten nicht aus, um den berüchtigten «Eggiwilfuehrme», wie die Einheimischen das Grollen der Emme bei Hochwasser nannten, loszuwerden. Nach schlimmen Verwüstungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in Burgdorf eine «Neuwe Ordnung, die Reparation und köufftige Erhaltung der Emmen Wehrenen» erlassen. Ein erster Versuch, die Massnahmen besser zu koordinieren.

In den 1870-er Jahren begann man, die Emme zu begradigen und über weite Strecken zu kanalisieren. Damit konnte der wilde Bach recht gut im Zaum gehalten werden. In jüngerer Zeit wurde das enge Korsett wieder etwas mehr gelockert, damit der Geschiebehaushalt des Flusses besser im Gleichgewicht bleibt.

Doch trotz aller menschlicher Eingriffe ist die Emme unberechenbar geblieben. Das zeigten einmal mehr die Unwetter vom vergangenen Donnerstag, als die Emme und ihre Seitengräben im Schangnau grossen Schaden anrichteten. Die Emme ist an die 80 Kilometer lang und mündet im Grenzgebiet der Kantone Bern und Solothurn in die Aare. Wichtige Zuflüsse der Emme sind die Ilfis und der Limpach.

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