27.11.2018 18:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Energiegenossenschaften spielen wichtige Rolle
Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder Wärmeerzeugung aus Holz bedeutet eine Dezentralisierung der Strom- und Wärmegewinnung. Dabei könnten Energiegenossenschaften eine wichtige Rolle spielen, zeigt eine Studie.

Die Schweiz soll sich mehr auf erneuerbare und lokal verfügbare Energiequellen stützen, so will es das neue Energiegesetz. Die Energiewende bedeutet damit auch, dass Strom- und Wärmegewinnung dezentralisierter werden. Eine wichtige Rolle könnte dabei den Energiegenossenschaften zukommen, berichten Wissenschaftler der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Seit mehr als 120 Jahren gibt es Energiegenossenschaften in der Schweiz, die kleine oder mittelgrosse Anlagen für die Energieproduktion und -verteilung betreiben. Bisher fehlten jedoch flächendeckende empirische Daten zu den Strukturen und Tätigkeiten dieser Genossenschaften, wie die WSL am Dienstag mitteilte. 

Deshalb lancierten Forschende der WSL eine Umfrage unter den 289 Energiegenossenschaften, die 2016 im Handelsregister verzeichnet waren. Knapp die Hälfte nahm an der Befragung teil.

Insbesondere die neueren Genossenschaften, die in den Neunzigerjahren und nach 2011 entstanden, als der Bundesrat den Entscheid für die Energiewende fällte, nutzen demnach fast nur erneuerbare Energiequellen, hiess es. Sie seien überwiegend im ländlichen Raum tätig und wollen unter anderem die dezentrale Energieerzeugung fördern, sowie eine Alternative zur Kernkraft bieten.

Vor allem Photovoltaik und Holz

Die meisten der teilnehmenden Genossenschaften, nämlich 93 Prozent, setzen demnach auf Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung. Zwei von drei wollen diese in den nächsten fünf Jahren auch ausbauen, wie die WSL schrieb. Unter den wärmeerzeugenden Genossenschaften gaben 75 Prozent an, verholzte Biomasse zu verwenden.

«Insgesamt zeigt die Befragung, dass die Genossenschaften eine Pionierrolle dabei spielen können, die Produktion erneuerbarer Energie voranzubringen», sagte Projektleiterin Irmi Seidl von der WSL gemäss der Mitteilung. 

Sie könnten zur Unterstützung der Energiewende durch die Bevölkerung beitragen, indem sie lokal direkte Möglichkeiten für energiepolitisches Handeln böten, fügte Benjamin Schmid von der WSL hinzu. Denn Mitglieder der Genossenschaften sind laut der Umfrage vor allem Privatpersonen, Landwirte und Gemeinden.

Ihr künftiges Entwicklungspotenzial sehen die Energiegenossenschaften laut der Studie allerdings nur bedingt optimistisch: 60 Prozent der Befragten schätzten ihr Wachstumspotenzial als klein, 27 Prozent als mässig ein. 

Als einschränkende Faktoren nannten die Teilnehmenden unzureichende Absatzmöglichkeiten für die produzierte Energie. Ausserdem sei die staatliche Förderung relativ schwach, im Vergleich zur Situation der Energiegenossenschaften in Deutschland. 

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