26.05.2018 18:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Sandra Steffen-Odermatt
Luzern
Er komponierte einen Ohrwurm
Der Ohrwurm «Dini Seel ä chli la bambälä la» hat sich in den letzten Monaten zu einem Hit entwickelt, er ist in aller Leute Munde. Was viele nicht wissen: Das Lied stannt aus der Feder des Entlebuchers Ruedi Bieri.

In der Regel komponiert Ruedi Bieri auf Bestellung, auf ein Ziel hin, er braucht den Termindruck, sonst würde er sich verlieren. Die Auftraggeber sollen das gewünschte Thema umreissen, Text und Melodie jedoch will er selber formen.

Ein Lied müsse eine Geschichte erzählen, das sei wichtiger, als dass es sich immer reime. «’S letschte Hömli het kei Sack» aus dem Seel-la-bambele-Lied reimt sich überhaupt nicht, doch für ihn sei es genau richtig, weil es die Botschaft auf den Punkt bringe.

Seine Frau Lisbeth hört meistens mit einem Ohr mit, wenn der Liedermacher im Musikzimmer stundenlang über einem neuen Stück brütet. Sie greift ein, wenn bei der Melodie versehentlich ein bereits bestehendes Lied mitschwingt.

Im gemeinsamen Gesang mit ihr oder mit dem Gugelchörli testet und finalisiert Bieri dann oft die Rohversionen, bevor er das Lied verlagsfertig niederschreibt. 

Besondere Momente

Vielfach schreibt Ruedi Bieri für Konzerte Auftragslieder. Besondere Aufträge waren das Eidgenössische Schwingfest 2004 und das Eidgenössische Jodlerfest 2008, beide in Luzern. Dort durfte Ruedi Bieri jeweils das offizielle Festlied komponieren.

Den Chor mit 700 Jodlern beim Schwingfest zu dirigieren, der sein eigenes Lied singt, das sei schon ein besonderer Moment gewesen, erinnert er sich. Doch genauso viel bedeuten ihm Auftritte im kleinen Rahmen, ohne Mikrofon, dort wo er den Zuschauern noch in die Augen schauen könne. Wenn der Funke springt, das Publikum mitmacht und immer lockerer wird, dann ist dies für den Musiker ein Glücksmoment.

Wie ein Lotto-Sechser

Das Stück «D Seel e chli la bambälä la» sei eine Ausnahme, es sei nicht als Auftrag entstanden, erzählt Ruedi Bieri. Das Lied sei ihm praktisch zu Füssen gefallen, als sein Appenzeller Freund Frowin Neff vom Quartett Waschächt ihn bei einem Spaziergang durch sein Städtli scherzhaft neckte mit der Aussage: «Lueg, ’s Entlibuech isch ja scho schöö, aber da in Appezöll chasch au so richtig d Seel la bambele la».

Da habe es «geklöpft», die Einfälle seien nur so runtergeregnet, Geschichte und Melodie waren einfach da, sagt Ruedi Bieri. Kurz darauf hat Richard Huwiler als Präsident des Jodlerclubs Ruswil den Liedermacher angefragt, ob er ihnen für den Auftritt in der Sendung Potzmusig ein neues Stück mitgeben könne. 

So kam es zur Uraufführung. «Das Lied hat dann eingeschlagen wie ein Lotto-Sechser», schildert Ruedi Bieri. Inzwischen wurde es von Hunderten Jodlerclubs gesungen, Willy Tell und die ChueLee haben es genauso wie andere Party-Bands interpretiert, es wurde durch die Kapelle Waschächt gecovert, Evi Güdel-Tanner hat es für die Wiggerthaler Blaskapelle arrangiert, und es gibt auch bereits Harmoniesätze für Blechmusikformationen.

Doch am besten gefällt Ruedi Bieri noch immer seine eigene Version, die er mit seiner Frau Lisbeth sowie Jules und Sonja Renggli auch auf einer CD publiziert hat. Trotz seinem grossen Erfolg – leben könnte Ruedi Bieri nicht von seiner Musik.

Das traute Heim

Das zweitgrösste Hobby von Ruedi Bieri ist die Pflege und Verschönerung seiner kleinen Liegenschaft «Am Eibach». Hier wurde einst eine Sägerei betrieben und hinter dem Haus standen mehrere kleine Holzlager-Hütten, dem Verfall nahe. Liebevoll hat er  die Hütten restauriert und zu einem Gesamtraum zusammengefügt, der heute auch oft als Probelokal dient. Für die Renovation wurden ausschliesslich alte Holzläden und Steine aus der Region verwendet. 

Zur Person

Ruedi Bieri, Jg. 1954, ist auf einem Bauernhof in Entlebuch LU geboren. 1975 gründete er mit Gleichgesinnten den Jodlerklub in Finsterwald. Seit 1979  singt er  mit seiner Frau Lisbeth im Duett. Vor einigen Jahren hat er angefangen, selbst Jodellieder zu schreiben, mittlerweile sind es rund 100 Stück. Im Sommer 2017 ging der gelernte Maschinenmechaniker vorzeitig in Pension. sst

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