26.11.2018 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Erneut Tierschutzverstösse in Schlachthof
In Niedersachsen (D) hat es offenbar erneut Tierschutzverstöße in einem Schlachthof gegeben. Das Deutsche Tierschutzbüro veröffentlichte am Dienstag vergangener Woche heimlich aufgenommenes Filmmaterial aus dem Betrieb Leine-Fleisch GmbH in Laatzen, auf dem unter anderem zu sehen ist, wie Schweine verbotenerweise unter mehrfacher Anwendung von Elektrotreibern in den Schlachtraum getrieben werden. Das Tierschutzbüro hat deswegen Strafanzeige erstattet.

Die Tierschutzverletzungen in Schlachtbetrieben - in den vergangenen vier Wochen gab es drei Fälle in Niedersachsen - standen am vorigen Mittwoch auch im Mittelpunkt eines Gesprächs von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast mit Vertretern der Fleischwirtschaft, darunter der Vorsitzende des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), Peter Brand, und der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV), Herbert Dohrmann.

Videoüberwachung in Schlachthöfen

Ministerin zeigte sich mit dem Austausch zufrieden und erkannte die bisherigen Tierschutzbemühungen der Branche an. Sie stellte allerdings zugleich fest, dass die jüngsten Tierschutzverstösse zeigten, dass dies offenbar nicht ausreiche. „Hier fordere ich volle Transparenz. Deshalb habe ich in dem Gespräch deutlich gemacht, dass ich mich für eine Videoüberwachung in Schlachthöfen einsetzen werde“, erklärte Otte-Kinast.

Transportieren, Betäuben und Töten der Tiere sowie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter gehörten auf den Prüfstand. Eine Woche zuvor hatte die Ministerin in einer Landtagsdebatte in Hannover geäußert, dass es sich bei den Problemen nicht um Einzelfälle, sondern um Systemfehler handle und einen „Neustart in Sachen Tierschutz in unseren Schlachthöfen“ gefordert. Dem hatte Brand widersprochen und kritisiert, dass wegen einzelner schwarzer Schafe nicht die ganze Fleischwirtschaft in Verdacht genommen werden dürfe, die viel für den Tierschutz tue. 

Vegane Lebensweise statt Kameras

Das Deutsche Tierschutzbüro wies bei seinen Vorwürfen gegen die auch für Biofleisch zertifizierte Leine-Fleisch GmbH darauf hin, dass das Unternehmen bereits über ein Videoüberwachungssystem verfüge. Trotzdem seien die Tiere misshandelt worden. Das sei der Beweis, dass auch eine Kameraüberwachung keine Lösung sei.

Allein in dem Betrieb in Laatzen wären schätzungsweise 50 Kameras nötig, um alle Bereich abzudecken und vollumfänglich dokumentieren zu können. Darüber hinaus stelle sich die Frage, wer für die Sichtung des Materials zuständig sein solle. Dafür kämen nur unabhängige Amtsveterinäre in Frage, wofür deutlich Personal benötigt würde, das aber besser in den Schlachtbetrieben vor Ort kontrollieren solle.

Letztlich bringe die Videoüberwachung nichts. Nur eine vegane Lebensweise würde den Tieren helfen, erklärte das Tierschutzbüro. Das Unternehmen Leine-Fleisch räumte unterdessen ein, dass der mehrfache Einsatz von Elektrotreibern in keiner Weise den vorgegeben Tierschutzstandards entspreche. Die Verstöße seien von Beschäftigten eines Subunternehmers begangenen worden, weshalb diese Zusammenarbeit sofort beendet worden sei.

Mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) werde bereits daran gearbeitet, einen Druckluftvortrieb zu entwickeln, durch den der Einsatz von Treibern überflüssig werde. Presseberichten zufolge hat die Leine-Fleisch inzwischen mehrere Großkunden wie Aldi-Süd, Aldi-Nord und Kaufland sowie einige regionale Abnehmer verloren. Zudem hat das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) dem Schlachthof bis auf Weiteres das Biosiegel entzogen. 

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