29.07.2019 06:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
Erreger: Bauer kauft Milch im Laden
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen.

Diese Woche ist auf der Linns Farm von Michael und Lorrie Kyle viel passiert. Am Mittwochmorgen haben wir von sämtlichen 700 Kühen eine Milchprobe genommen. Dafür wurde sämtliches Arbeitspersonal der Farm – zwei Vollzeitangestellte, vier Studenten, Michael und ein ganzes Milchwägerinnen-Team – benötigt.

Am Vortag installierten wir 80 Milchmengenmessgeräte, an jedem Karussellplatz eines. Die Daten von den Geräten wurden vom Milchwägerinnen-Team erfasst. Und wie in der Schweiz wurden Milchproben in kleine Behälter abgefüllt.

Milchwägen nicht wegen Zellzahlen

Die Kühe werden in Schottland zusätzlich auf Paratuberkulose getestet. Paratuberkulose ist eine chronische Darmerkrankung, die zu starkem Durchfall, Abmagern und verminderte Milchleistung führt. Diese Symptome sind unter Umständen aber erst ab dem dritten Lebensjahr zu erkennen. Die Krankheit ist auf der Linns Farm und allgemein in Schottland auf grösseren Farmen ein grosses Problem.

Besonders deshalb, weil in grösseren Herden viel mehr Stress herrscht, was zum Ausbruch der Krankheit führt. Jährlich verlassen 30 Tiere den Betrieb, die in fortgeschrittenem Stadium an Paratuberkulose leiden. Die Krankheit wird in der Schweiz wie auch in Schottland zu den zu überwachenden Seuchen (Meldepflicht) eingestuft.

Keine eigene Milch zum Frühstück


Grosse Augen haben Simon und ich gemacht, als wir erfuhren, dass hier niemand die eigene Tankmilch zum Frühstück trinkt. «Vor einigen Jahren ist ein Nachbarsbauer schwer erkrankt. Seither trinken auch wir nicht mehr die eigene Milch», erklärt uns Michael. Nicht nur wegen der Paratuberkulose, auch wegen anderen Krankheiten greift hier niemand zu unpasteurisierter Tankmilch.

Die Krankheit beim Menschen (Morbus Crohn)  

Es gibt Hinweise, dass das Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis (MAP) bei der Entstehung der entzündlichen Darmkrankheit Morbus Crohn beteiligt ist. Die Krankheit betrifft meist den letzten Teil des Dünndarms und den Dickdarm und wird von massiven Darm-Beschwerden begleitet, bis hin zum Darmverschluss. Ob jemand an Morbus Crohn erkrankt, ist teilweise genetisch mitbestimmt. Rauchen fördert den Ausbruch der Krankheit stark. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV

Führt immer zum Tod

Die Krankheit führt in den meisten Fällen zum Tod des Tieres und wurde vor 15 Jahren, beim Aufbau der Farm, von zugekauften Tieren eingeschleppt. Die meisten zugekauften Tiere waren damals Trägerinnen von Paratuberkulose.

Zusätzlich waren zum Zeitpunkt des Aufbaus die Böden sehr sauer, was Paratuberkulose zusätzlich fördert. Die Böden, die zur Linns Farm gehören, schwankten noch bis vor einigen Jahren um den pH-Wert von 4.5. Durch regelmässiges Kalken liegt der pH nun bei einem Wert von 6.5.

Übertragung durch Kolostrum

Die Übertragung der Krankheit erfolgt im Embryonalstadium und in den ersten Lebenswochen über erregerhaltige Biestmilch, sowie über kontaminiertes Wasser und Futter und über den Kot.

Damit negativ auf Paratuberkulose getestete Kälber nicht angesteckt werden, wird die Biestmilch auf der Linns Farm vor dem Vertränken pasteurisiert. Nicht-kontaminierte Kälber werden von Kontaminierten getrennt gehalten.

110'000 Franken Verlust pro Jahr


Nicht nur der Verlust der erkrankten Tiere, sondern auch die Profilaxe belastet das Farmbudget. Auf der Farm werden 3'500'000 Kilo Milch pro Jahr produziert. Der Milchpreis liegt bei im Moment bei umgerechnet 41 Rappen.

Umgerechnet 110'000 Franken verliert Michael Kyle jährlich wegen Paratuberkulose. Oder anders gesagt 3,1 Rappen pro Kilo produzierte Milch, über das ganze Jahr. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE