6.06.2019 17:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Erste Alpauffahrt war traumhaft
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin und Landwirtin. -> Mit Video

Wochen, Monate, gar Jahre haben wir von der traditionellen Alpauffahrt auf die Pfidertschegg gesprochen. Bereits als ich Töbu kennen lernte, versprach er mir, dass wir dann einmal, wenn endlich die Strasse neu gebaut ist, eine richtige «Züglete» organisieren werden. Er hielt sein Wort. Zugegeben, er konnte fast nicht anders. Und so waren wir in den letzten Wochen in den Vorbereitungen für diesen magischen Moment.

Alpauffahrt bei Fankhausers

Das fehlende Zügelgeläut war längst organisiert, die letzten Vorbereitungen auf der Alp fast alle getroffen und auch der Plan, welche Kuh welche Treichel tragen darf, erstellt. Dann folgte für uns die Hauptprobe. Wir durften bei der befreundeten Familie Fankhauser mithelfen.

Sie zügelten von Süderen via Schallenbergpass – Schangnau – Bumbach bis in den Hirschwendiberg, die Strecke beträgt ganze 22 Kilometer. Unterwegs legten sie eine halbstündige Pause ein. Wir sammelten ein letztes Mal Eindrücke und Tipps und revidierten anschliessend einige Details von unserem Vorhaben.

Tägliches Training

Nicht nur die Kühe wurden in der letzten Woche täglich an die Treicheln gewöhnt. Vor allem für die erstlaktierenden Kühe ist das Tragen einer grossen Treichel eine neue Erfahrung. Auf der Weide durften sie üben. Auch ein Helfer bereitete sich auf den grossen Tag vor. Er beschloss, das Auto zu Hause stehen zu lassen und zum Arbeitsplatz zu marschieren. Denn schliesslich ist unsere Strecke von rund 15 Kilometern auch nicht ganz ohne.

Den Rindern zogen wir die Glocken am Freitagmorgen an, so konnten sie sich bis am Samstagmorgen daran gewöhnen. Da sie bereits im Stall waren, entwurmten wir sie auch gleich noch, putzten sie sauber und gossen eine Lösung gegen Insekten über den Rücken.

Blumenschmuck und Silage mähen


Zugegeben, der Freitag war ein recht stressiger Tag. Bis alle 28 Rinder parat waren, die Kühe gewaschen und der Blumenschmuck erstellt, wurde es später Abend. Wir haben für die 18 Kühe mit Treicheln Wiesenblumen zusammengebunden. Auch musste noch ein letztes Stück Zaun bei der Hauptstrasse erstellt werden.

Zu allem hinzu kam, dass Töbu Silage mähen wollte, schliesslich war der Wetterbericht viel versprechend. Ja, ich gebe es zu, die traditionelle Alpauffahrt ist bedeutend arbeitsaufwändiger als das Verladen in den Transporter.

Samstag, endlich, endlich…

Und dann am Samstag war es endlich soweit. Alle Helfer und Helferinnen erschienen pünktlich. So konnten wir um 5.00 Uhr starten. Es war ein rasanter Start. Bis alle wussten, was ihre Aufgabe ist, ging es eher turbulent zu und her. Doch nach 500 Meter Marsch und dem Passieren des Kreisels verlief die Alpauffahrt ruhig. Noch immer jagt eine Gänsehaut über meinen Rücken, wenn ich an dieses Erlebnis denke. Der grosse Aufwand geht mit einem Schlag vergessen.

Mittagessen um 9 Uhr

Nach drei Stunden und 15 Minuten waren wir alle glücklich, zufrieden und unfallfrei oben. Die letzten Kilometer hielten wir die strenge Reihenfolge nicht mehr ein. Die Rinder mit den Glocken durften vorne mitlaufen und die Kühe mit den Treicheln hinten.

Oben zogen wir den Rindern wieder das Weidegeläut an. Anschliessend ging es zum Mittagessen. Es war zwar erst 9 Uhr, doch wir hatten alle einen Bärenhunger. Langsam nahm die ganze Anspannung ab, eine tiefe Zufriedenheit und Müdigkeit breitete sich in mir aus.

Alp – doppelter Aufwand, x-fache Freude


Einmal mehr wird mir bewusst, welchen Mehraufwand die Alp mit sich bringt, zweimal Melkmaschinenservice, vier Gebäude zusätzlich unterhalten, ein x-faches mehr zäunen, einen täglichen Arbeitsweg von total 30 Kilometer und, und, und.

Aber der Mehrwert wiegt alles auf! Es sind nicht nur die messbaren Zahlen oder die Arbeitsstunden, die zählen, vielmehr sind es die Freude und Zufriedenheit. Am Sonntagabend legten wir uns zu den weidenden Kühen ins Gras und genossen die Ruhe. Wir sind glücklich, dass wir ein solch aufregendes und schönes Leben führen dürfen. 

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni BE. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

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