1.05.2018 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Erste Alpvorbereitung mit Impfung
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther Schneiter in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Samstagmorgen, kurz nach fünf Uhr. Der Wecker klingelt bereits zum dritten Mal. Es ist höchste Zeit zum Aufstehen. Während Töbu melkt, putze ich die Kühe. Ich weiss nicht, ob es gegen mein Arbeitstempo spricht oder für die Fähigkeiten unserer Kühe, sich gezielt zu verschmutzen. Jedenfalls ist Töbu früher fertig und tränkt die Kälber. Anschliessend werden sie auf die Weide getrieben, so auch die Kühe.

Rinder vom Bruch in den Bach zügeln

Nach dem Frühstück gehen wir mit dem grossen Viehtransporter die zehn Rinder auf dem Pachtbetrieb im Bruch abholen. Auch die anderen zehn Rinder, welche unter der Hauptstrasse grasen, müssen zurück in den Stall. Diese über die Hauptstrasse zu treiben, ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Denn die Autos dürfen 80km/h fahren, was unser Vorhaben zu einem gefährlichen Akt werden lässt. Ich bin immer froh, wenn alles gut läuft, so auch heute.

Knapp eine Stunde nach unserem Aufbruch sind alle Rinder im Stall. Bis der Tierarzt kommt, setze ich die Petunien ein und erledige kleinere Arbeiten wie Hühner füttern und Terrasse wischen. Unsere Hausfront ist zwar schön, jedoch nicht sehr günstig gelegen. Wegen dem direkt anliegenden Stöckli fällt kaum Sonne auf die Laube (Balkon). Da Geranien hier nicht gut gedeihen, versuche ich es in diesem Jahr eben mit Petunien: diese würden ja auch in schattigen Lagen wachsen.

Pinkeye-Impfung gegen Gämsblindheit

Kurz vor dem Mittag impft der Tierarzt alle Rinder mit Piliguard. Dies soll vor Pinkeye, im Volksmund Gämsblindheit, schützen. Wir ergriffen diese Massnahme bereits letztes Jahr und hatten so keine kranken Tiere mehr zu beklagen. In den früheren Jahren war Pinkeye ein Problem mit beträchtlichem Mehraufwand und finanziellem Schaden. 

Denn bei einigen Rindern musste gar ein Auge für längere Zeit zugenäht werden. Zusätzlich wurden fünf Rinder gegen Feigen (Warzen) gespritzt. Diese Impfung muss drei bis sechs Wochen vor dem Alpaufzug verabreicht werden. Somit haben wir die ersten Vorbereitungen für die kommende Alpsaison getroffen.

Kaffee-Schnaps zum Frühjahrsbeginn auf der Alp

Nachdem wir alle Rinder auf die Weide getrieben haben und wir uns mit einem Sandwich gestärkt haben, geht es Richtung Pfidertschegg. Der Schnee ist fast überall weggeschmolzen, die Krokusse sind erwacht und zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Ich setze mich in das Blumenmeer, merke aber, dass der Boden noch sehr nass ist. Unglaublich, wie diese kleinen Dinger ihre Köpfe aus der scheinbar leblosen Erde strecken und in leuchtenden Farben mein Herz erfreuen. Am liebsten würde ich nun die Zeit anhalten. Ich geniesse die Ruhe.

Doch Töbu reisst mich zurück in die Realität und zeigt mir den kaputten Wasserhahn. Hier hat der Frost zugeschlagen. Bevor wir planen, wie wir das weggewehte Tenn bei den Kühen wieder aufbauen und optimieren wollen, geniessen wir auf der Bank vor der Hütte einen Kaffee. Wir haben alten Schnaps gefunden. Wir sind der Überzeugung, dass er nicht noch älter werden sollte und der Kaffee eh zu heiss sei.

Bauholz vom Dorf-Sager


Leider geht der Nachmittag viel zu schnell vorbei und wir müssen wieder ins Tal. Unterwegs sehen wir zufälligerweise den Dorfsager. Wir entscheiden uns, dass wir das benötigte Holz bei ihm beziehen wollen. Dieses stammt aus dem Zulgtal, also soll es doch auch hier verbaut werden. 

Kurt, der Onkel im Stöckli, melkt am Abend. So bleibt mir Zeit, um den Garten zu jäten und das Nachtessen zuzubereiten, denn die Tante und der Onkel von Töbu essen spontan bei uns. Es gibt Kartoffelsalat, Zigeunercervelat und einen grünen Salat. Beim Einschlafen fällt mir ein, dass ich den Küchenboden wieder nicht aufgewaschen habe. Aber das ist nicht so schlimm, diese Arbeit nimmt mir niemand weg und ich habe die Prioritäten halt anders gesetzt.

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