24.11.2019 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - jul
Aargau
Es geht auch «andersRum»
Urs Lüthy aus Muhen AG ist Bauer und Brenner. Bei seinen Destillaten setzt er komplett auf Schweizer Rohstoffe. Sein rumartiges Getränk macht er deshalb nicht aus Zuckerrohr, sondern aus Zuckerrüben. Damit hat er erste Erfolge.

«Man darf ein Getränk nur Rum nennen, wenn es aus Zuckerrohr gebrannt ist. Und Zuckerrohr wächst nun mal hier noch nicht.» Das sagt Urs Lüthy, Bauer und Brenner aus Muhen AG. «Ich könnte ohne Weiteres Zuckerrohr-Melasse aus Übersee importieren und meinen eigenen Rum daraus herstellen. Aber das will ich nicht», sagt  er weiter.

Seit einigen Jahren setzt der gelernte Landwirt und Brenner vor allem auf die Herstellung von Whisky. Mit Erfolg. Mit seinem «Herr Lüthy Pure Swiss Single Malt Whisky» hat er bereits zahlreiche Preise gewonnen. Darunter etwa den Switzerland’s Best Whisky Award.

Das Besondere an seinem Whisky ist, dass er komplett aus Schweizer Rohstoffen besteht und komplett in der Schweiz verarbeitet wird. Damit ist Lüthy der einzige seiner Art. Es gibt zwar einige andere Whisky-Hersteller in der Schweiz. Die importieren aber ihre Rohstoffe oder lassen die Gerste im Ausland mälzen. Lüthy baut seine Braugerste selbst an und mälzt sie in einer eigens hergestellten Tennenmälzerei auf seinem Betrieb. 

Kein Rum

Mit diesem Wissen im Hinterkopf erstaunt es nicht, dass Lüthy kein Zuckerrohr aus Lateinamerika importieren will – und deshalb auch keinen original Rum herstellen kann.

Trotzdem hatte er Lust, ein ähnliches Getränk zu  machen. So kam er auf die Idee,  statt der Melasse aus Zuckerrohr jene aus Zuckerrüben zu verwenden. Seit 1999 ist es in der Schweiz nicht mehr verboten,  aus Getreide, Kartoffeln und eben Zuckerrübenmelasse Schnaps zu brennen.

Also fing Lüthy vor rund fünf Jahren an, mit Melasse zu experimentieren.  Dieses Nebenprodukt der Zuckerherstellung bezieht er direkt von den Fabriken in Aarberg BE oder Frauenfeld TG.

Nach einigen Versuchen schmeckte das Destillat schliesslich tatsächlich sehr ähnlich wie Rum. Da er es aber nicht so nennen darf,  hat er es «andersRum» getauft. Das Destillat lagert er in Holzfässern, weshalb es einen intensiven Geschmack und die dunkle Farbe bekommt. Und es kommt gut an. Dieses Jahr hat Lüthy an der nationalen Spirituosenprämierung  Distisuisse für seinen «andersRum» die Goldmedaille erhalten. 

Zurzeit macht die Produktion des Zuckerrübenmelasse-Destillats erst einen kleinen Teil seines Sortiments aus.  Die Hauptstandbeine des Bauers und Brenners sind Whisky und Obstbrände.  Neben der Braugerste für den Whisky baut Lüthy auch Urdinkel für Urdinkel-Whisky und Mais für Bourbon an. Den Roggen für seinen Rye-Whysky kauft er aus der Region zu. Der Absatz der Getränke läuft ab Hof und übers Internet gut. So gut, dass er die Produktion steigern konnte. Während er früher nur ein Fass pro Jahr produzierte, lagern vom neuen Jahrgang bereits Dutzende in seinem Keller.  

Noch kein Hype

Im Vergleich zum Whisky sei die Nachfrage nach dem «andersRum» noch nicht so gross. «Ich beobachte aber, dass sich in der Branche und bei den Konsumentinnen und Konsumenten etwas tut», sagt er.  Noch sei es kein grosser Hype wie etwa  beim Gin. Da sei das  Interesse an verschiedenen Sorten  riesig. Das Getränk scheint den Zeitgeist zu treffen und es gilt als hip,  in Workshops den eigenen Gin zu produzieren oder ihn einfach zu trinken.  «Wer weiss, vielleicht passiert so etwas auch bei rum-artigen Getränken», sagt Lüthy.

Das käme ihm entgegen. Denn Melasse ist ein sehr dankbarer Rohstoff. «Er ist preislich interessant und man kann ihn das ganze Jahr über in gleichbleibender Qualität beziehen. Anders als das Obst, das genau zu einem bestimmten Zeitpunkt reif ist und in Menge und Qualität vom Wetter abhängig ist», sagt er. Die Produktion des «andersRum»m kann er deshalb gut auf arbeitsärmere Zeiten des Jahres legen. Aber wer weiss, wie gross die Nachfrage eines Tages noch wird.

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