1.08.2013 11:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Matthias Künzi
Esaf
Exklusiv: Fünfsternhotel für die Lebendpreise
Letzte Woche wurde der Stall für die elf Lebendpreise des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests aufgerichtet.

In der Burgdorfer Ey geht es zu und her wie in einem Bienenhaus. Es ist abends um halb acht Uhr. Jogger, Velofahrer und Spaziergänger benützen den Weg, welcher der Emme entlang Kirchberg mit Burgdorf verbindet und am Gelände vorbeiführt, wo in einem Monat das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) stattfindet. Die anhaltend grosse Hitze macht die körperliche Ertüchtigung nicht nur für die Freizeitsportler zur schweisstreibenden Angelegenheit. Auch Silvio Rüfenachts Zimmerleute, die den Stall für die Lebendpreise aufstellen, schwitzen ihre Kleider nass.

Das temporäre Zuhause für die elf Tiere entsteht unmittelbar beim Eingang Südost. Neben Siegermuni Fors vo dr Lueg werden darin zwei Pferde, sieben Rinder und ein Fohlen einquartiert und am 1. September anlässlich der Preisverteilung den erfolgreichsten Schwingern des Eidgenössischen als Naturalpreise übergeben.

Alles hat seinen Preis

An einem verregneten Herbsttag im letzten Herbst treffen sich auf der Lueg die ehemaligen Schwinger Pius Bucher, Matthäus Huber und Silvio Rüfenacht mit Vertretern der Kunz Kunath AG aus Burgdorf. Die Futtermühle tritt als Munisponsor des Esaf 2013 auf und ist in diesem Status auch für die Erstellung und den Unterhalt der Stallungen für sämtliche Lebendpreise verantwortlich. Pius Bucher leitet bei der Ruswiler Stallbaufirma Krieger AG die Planung von Rindviehställen.

Mit 106 Kränzen ist Matthäus Huber einer der erfolgreichsten Schwinger der Geschichte. Als selbstständiger Unternehmer und Wiederverkäufer für Stalleinrichtungen arbeitet der Aargauer eng mit der Firma Krieger zusammen. Silvio Rüfenacht, der Schwingerkönig von 1992, komplettiert das Trio. Der Hettiswiler ist Gabenchef des Eidgenössischen und in dieser Funktion verantwortlich für die Unterkunft der Lebendpreise. Diese sollen entweder in einem Zelt oder einem Gebäude aus Holz untergebracht werden.

Besser als ein Zelt

Grundsätzlich ist man sich rasch einig, etwas wirklich «Schönes» auf die Beine zu stellen. Doch das Schöne hat auch seinen Preis. Dessen ist sich auch Peter Stadelmann, Geschäftsführer der Kunz Kunath AG, bewusst. Er plädiert zwar für einen Holzbau, ist sich aber bewusst, «dass diese Variante nur dann infrage kommt, wenn der Stall nach dem Schwingfest weiterverkauft werden kann».

Seit der ersten Versammlung auf der Lueg ist viel Wasser die Emme hinuntergeflossen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Vor uns steht eine imposante Remise, angefertigt in der lokalen Zimmerei von Silvio Rüfenacht ausschliesslich aus Emmentaler Holz. «Als Zimmermann gefällt mir das natürlich sehr viel besser als ein Zelt», sagt der Schwingerkönig von Olten bei der gemeinsamen Besichtigung. Nächste Woche nimmt Matthäus Huber die Montage und die Installation der Stalleinrichtung in Angriff. Danach ist die Unterkunft bezugsbereit.

Erwartungen übertroffen

Den Handel eingefädelt hat Pius Bucher. Im letzten April ist bei ihm ein Auftrag zum Bau einer Remise eingegangen. Der siebenfach Kranzschwinger hat den Bauherrn dazu ermutigen können, dass er die Holzkonstruktion zuerst als Stall für das Esaf 2013 in Burgdorf zur Verfügung stellt. Nach dem Schwingfest wird das Gebäude zerlegt, abtransportiert und im luzernischen Hellbühl wiederaufgebaut.

Als Gegenleistung erhält der Landwirt einen Preisnachlass, den die Munisponsoren kompensieren. «Hätten wir ein Zelt aufgestellt, so hätte das auch viel Geld gekostet», sagt Stadelmann. Sichtlich erfreut über das Endergebnis zeigt sich auch der OK-Präsident Andreas Aebi. «Alle Erwartungen sind übertroffen. Einen solchen Stall hat es an einem Schwingfest noch gar nie gegeben. Er ist ein absoluter Blickfang.»

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