11.06.2018 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt
Tierschutz
Extremfälle häufen sich
Dehydriert und verfilzt, mit stark entzündetem Zahnfleisch, ein Fall von Vernachlässigung. Mit Schmerzen werden die kranken Tiere ins Tierheim abgeschoben. Der Zürcher Tierschutz ist alarmiert und fordert Heimtierhaltende auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Kater Tommy kämpft sich aus dem Korb, taumelt, knickt ein. Er ist brandmager und völlig dehydriert, leidet an starkem Augen- und Nasenausfluss. Ausgesetzt vor den Türen des Zürcher Tierschutz musste der erst fünfjährige Tommy am Folgetag in der Tierklinik erlöst werden. Andere Katzen hatten Glück und überlebten dank sofortigem Transport in die Intensivstation einer Tierklinik.

Früher kamen nur selten Tiere in so kritischem Zustand ins Zürcher Tierhaus. Seit rund einem Jahr häufen sich die Extremfälle, so steht es in einer Mitteilung des Zürcher Tierschutzes. Zehn Katzen, sieben Kleintiere und ein Hund seinen betroffen. Dieser hätte wegen starker Zahnfleischentzündung kaum mehr fressen können. Drei Kaninchen litten wegen totaler Verfilzung an grossflächigen Hautinfektionen und zwei Meerschweinchen hatten überlange Krallen, die in die Pfoten hineinwuchsen sowie entzündete Penisse wegen feucht-dreckiger Einstreu. Ratte Mia war wegen Atemnot am Ersticken und ein Hamster hatte sich vor lauter Parasiten überall wundgekratzt. All diese Tiere litten lange unter grossen Schmerzen und brauchten sofortige medizinische Hilfe, heisst es weiter. 

Weniger gravierende Fälle wie verfilztes Fell bei Langhaar-Rassen, überlange Krallen oder Zahnstein erlebe der Zürcher Tierschutz tagtäglich. Alte Katzen würden zudem oft an Durchfall und Erbrechen infolge chronischer Organschäden wie Nieren- oder Schilddrüsenproblemen leiden. Werden diese Tiere nicht rechtzeitig behandelt, verschlimmert sich ihr Zustand drastisch. Immer öfter wird viel zu lang gewartet und das kranke Tier zuletzt ins Tierheim abgeschoben.

Viele Heimtierhaltende seien sich ihrer Verantwortung nicht bewusst. Sie hätten kaum Wissen über tiergerechte Haltung und korrekte Tierfürsorge und vernachlässigen die regelmässige Tierbeobachtung und Gesundheitschecks. Daher würden Sie Alarmzeichen nicht erkennen, wenn ein Tier erkrankt, verdeutlicht der Zürcher Tierschutz in seinen Erklärungen. 

Vernachlässigung sei eine Form von Tierquälerei und nach Tierschutzgesetz strafbar. Doch Anzeigen seien kontraproduktiv -  Tiere würden nicht mehr abgegeben und müssten noch länger leiden.

Der Zürcher Tierschutz fordert Heimtierhaltende auf, bei Krankheitsanzeichen umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Bei Haltungsproblemen oder Zeitmangel sollte frühzeitig eine Heimtierberatungsstelle kontaktiert werden, etwa beim Zürcher Tierschutz und am Tierspital Zürich. «Dadurch können die Tiere vor grossen Schmerzen, Leiden oder gar vorzeitigem Tod bewahrt werden - sonst bedeutet das Tierheim Endstation, statt eine neue Chance auf ein glückliches Leben», bemerkt Rommy Los vom Zürcher Tierschutz.

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