26.07.2016 10:19
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Solothurn
Fall Boningen: Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit
15 Rinder sind Ende Mai in einem Laufstall für Mutterkühe auf einem ehemaligen Bio-Bauernhof in Boningen SO verendet. Der Veterinärdienst hat sein Verfahren abgeschlossen. Er spricht gegen den Landwirt ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit aus. Ein Strafverfahren wurde ebenfalls eingeleitet.

Dem Amtstierarzt und der Kantonspolizei Solothurn bot sich an jenem Samstagabend Ende Mai ein schreckliches Bild. Sie entdeckten 15 tote Rinder, 10 Tiere haben überlebt. Der Bauernbetrieb in Boningen, der bis 2009 das Knospe Label besass, war nach einem Hinweis aus der Bevölkerung kontrolliert worden. Die 10 überlebenden Tiere wurden in der Folge umplatziert, ein Rind musste noch getötet werden. Persönliche Umstände hätten zum Drama geführt, hiess es Ende Mai.

Sehr grosse Mängel bei der Versorgung

Der Veterinärdienst des Kantons Solothurn hat in der Folge eine Untersuchung eingeleitet. Die Resultate liegen nun vor. Er stützt sich auf Untersuchungen der Pathologie des Tierspitals Bern. „In der betroffenen Tierhaltung in Boningen bestanden sehr grosse Mängel in der Versorgung der Tiere insbesondere bei der Futterqualität, zudem wurden Meldepflichten nach der Tierseuchengesetzgebung missachtet“, teilt das Amt am Dienstag in einem Communiqué mit.

Im Rahmen seiner Kompetenzen hat der Veterinärdienst den Landwirt sanktioniert. Im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Massnahme wurde ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit gegen den Bauern verfügt. Ihm wird die Haltung von sämtlichen Nutztierarten, namentlich von Klauen- und Huftieren sowie Geflügel, verboten. Das Dossier wurde der Staatsanwaltschaft übergeben.

Stark abgemagert

Ein Augenschein durch die Zeitung „Schweizer Bauer“ von Anfang Juni zeigte sehr abgemagerte Tiere. Im Vergleich zur Hornlänge und Dicke waren einige Rinder höchstens halb so schwer wie dies selbst bei einer eher restriktiver Fütterung der Fall sein müsste. Ein dreijähriger Stier wog höchstens 250 Kilo. Gemäss dem Veterinärdienst befinden die Rinder in der Zwischenzeit in einem befriedigenden Allgemeinzustand.

Strafverfahren wegen Tierquälerei

Vom betroffenen Betrieb ging laut dem Veterninärdienst aber nie eine akute Gefahr für die Umwelt oder andere Nutztiere aus. Eine hochansteckende Seuche konnte rasch ausgeschlossen werden. Der Landwirt hält derzeit keine Nutztiere mehr.

Dem Bauer droht nun auch ein Strafverfahren. Bei der Staatsanwaltschaft ist eine Anzeige eingegangen, wie das "Oltner Tagblatt" vergangene Woche vermeldete. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Strafuntersuchung wegen Tierquälerei gegen den Bauern eingeleitet. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Kritik an Veterinäramt

Gegen das Veterinäramt hingegen wird kein Verfahren eröffnet. Das Amt stand in der Kritik. Anwohner haben immer wieder über Missstände auf dem Hof berichtet. Das Veterinäramt hatte im Februar 2016 den Betrieb kontrolliert, aber keine Mängel festgestellt.

Bereits vor zwei Jahren haben Anwohner mit Bildmaterial auf Missstände in der Tierhaltung auf dem Hof hingewiesen. Die Tiere wiesen Haarausfall und Klauenprobleme auf. Die Behörden haben bei Mängelbefunden vor zwei Jahren sowie vor einem Jahr Anzeige erstattet. Der Bauer wurde gebüsst.

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