4.09.2018 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Feinstaub tödlicher als angenommen
Feinstaub verursacht weltweit um knapp ein Drittel mehr Todesfälle als bisherige Schätzungen ahnen liessen, berichten Forschende. Aufgrund der Ergebnisse halten es die Wissenschaftler für wichtig, die Feinstaubkonzentration in der Umwelt zu senken.

Forschende um Mieczyslaw Szyszkowicz von der kanadischen Gesundheitsbehörde (Health Canada) haben Feinstaubmessungen aus 16 Weltregionen mit den dortigen Sterberaten durch nicht übertragbare Krankheiten und Erkrankungen der unteren Atemwege (Luftröhre und Lunge) in Verbindung gesetzt.

8,9 Millionen Todesfälle

Für 41 «Kohorten» ermittelten sie somit das Mortalitätsrisiko durch Feinstaub und berichten davon im Fachjournal «PNAS». Bei Kohortenstudien wird durch Beobachtung verschiedener Gruppen ein Zusammenhang zwischen Exposition, zum Beispiel mit einem Schadstoff, und dem Auftreten einer Krankheit untersucht. Weltweit hat den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge im Jahr 2015 PM2,5-Feinstaub 8,9 Millionen Todesfälle verursacht. Das sind um 30 Prozent mehr, als jene 6,9 Millionen, die herkömmliche Schätzungsmethoden kalkulierten.

«Bisher hat man die Zahlen für die fünf grössten Risikogruppen, nämlich Schlaganfall, COPD (Chronische, obstruktive Lungenerkrankung, Anm.), Lungenkrebs, ischämische Herzerkrankungen und die unteren Atemwegsinfektionen, einfach addiert», erklärte Studien-Mitautor Hans Concin vom Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin (aks) in Bregenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA. In der neuen Studie habe man somit die Gesamtsterblichkeit durch die Feinstaubbelastung besser erfasst.

Unterschätztes Risiko

Offensichtlich wurden die Auswirkungen der Exposition mit Feinstaub PM2,5 bisher unterschätzt und es gibt, ausser den gut bekannten, noch weitere, gravierende Risikofaktoren. PM2,5-Feinstaub besteht zur Hälfte aus Teilchen mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern, der Rest setzt sich aus einem höheren Anteil kleinerer Teilchen und einem niedrigeren Anteil grösserer Teilchen zusammen. Diese Partikeln sind mit blossem Auge nicht sichtbar.

Die Forscher sehen nun Handlungsbedarf bei der Politik, die Feinstaub-Grenzwerte zu reduzieren. Dies hätte laut der neuen Studie noch positivere Auswirkungen als bisher angenommen. In einer früheren, EU-weiten Studie habe man ausserdem schon nachgewiesen, dass bereits PM2,5-Konzentrationen unterhalb der europäischen Grenzwerte das Sterberisiko erhöhen, so Concin. «Die gute Nachricht ist, dass die Feinstaubbelastung zumindest in Europa in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen ist», sagte der Mediziner. Dafür seien vor allem Massnahmen beim Verkehr und der Industrie verantwortlich.

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