23.11.2014 10:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Fleischmarkt
Fleischskandal - Import-Poulet als schweizerisch verkauft
Offenbar hat die Bündner Firma Carna Grischa jahrelang geschummelt. So hat die Grossmetzgerei Import-Poulet als Schweizer Fleisch verkauft, wie blick.ch schreibt. Weiter wurde aufgetautes und altes Fleisch als frisch verkauft.

Auch Grosskunden wie der Kantinenbetreiber ZFV, der in der Schweiz 60 Mensen und mehr als 50 Personalrestaurants betreibt, werden immer wieder mit falschem Fleisch beliefert. Etwa die Kantine der Ems-Chemie der Blocher-Töchter in Domat/Ems GR. Zehn Kilo frischen Schweinshals hatte der Küchenchef im Sommer 2012 bei Carna Grischa bestellt – aber nicht bekommen. «Bitte Aufgetaute geben», lautet der interne Vermerk des Verkäufers gemäss "blick.ch".

Ungarisches statt Schweizer Poulet

Ähnlich der Fall im Restaurant Giardino der Helsana in Dübendorf ZH. Statt der bestellten 7,5 Kilo Schweizer Pouletbrüstli mariniert landet am 30. September 2014 ungarisches Poulet auf den Tellern der Angestellten. Die unmissverständliche interne Anweisung für den Etikettenschwindel: «UNG nehmen mariniert neutral CH auszeichnen.» Der Betreiber handelt sofort, als er vom SonntagsBlick vom Beschiss erfährt. «Bis die Vorwürfe der Deklarationsfälschung auf deren Richtigkeit geprüft sind, werden wir keine Bestellungen mehr beim Unternehmen Carna Grischa AG tätigen», sagt Gilbert Philipona, Leiter Einkauf. 

Falsches Ablaufdatum

Die Carna Grischa «bürgert» aber nicht nur Fleisch «ein». Oder verkauft aufgetautes Fleisch als frisches. Sie hat noch ganz andere Tricks auf Lager, wie die internen Unterlagen zeigen. Das Hotel Streiff in Arosa GR etwa hat acht Kilo Rindsentrecôte geliefert bekommen, das mit einem falschen Ablaufdatum versehen war. «... bitte Datum 4 Wochen zurück» steht auf der Bestellung. Beschissen wurde auch der Küchenchef des Personalrestaurants der Dow Chemical AG in Horgen ZH. Er bestellte am 20. Januar 2014 bei der Carna Grischa 22 Kilo Rindssaftplätzli. Statt dem teuren Rindfleisch hat er aber billiges Pferdefleisch erhalten, wie der interne Eintrag «Pferdehuft nehmen» beweist.

Diese Beispiele sind nur eine kleine Auswahl aus den Dokumenten, die SonntagsBlick vorliegen. Carna Grischa hat über Jahre hinweg so manchen Lieferschein gefälscht. Dutzende von Fällen sind dokumentiert. Hinzu kommt ein Mehrfaches von Verdachtsfällen. Die Anweisung «neutral verpacken» findet sich sehr häufig im Bestellsystem. Das sei der interne Code für eine Falschdeklaration, sagt ein Insider. Die Firma bestreitet dies.

Zu Carna Grischa

Mit 60 Angestellten und 30 Mil­lionen Franken Jahresumsatz gehört Carna Grischa zu den fünf grössten Schweizer Fleischhändlern. Pro Woche verkauft die Firma 20000 Kilo Fleisch – an Hotels, Restaurants, Kantinen, Altersheime, Spitäler und Kinderkrippen.

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