13.05.2019 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
«Flüchtlinge sind eine Bereicherung»
Soziales Engagement hat bei der Familie Keller aus Wittenbach Tradition. Das äussert sich unter anderem darin, dass sie auf ihrem Bauernhof Brumenau Flüchtlingen eine sinnvolle Beschäftigung bietet.

Flüchtlinge sind ein Geschenk und eine Bereicherung.» Wenn dies Thekla und Walter Keller von der Brumenau in Wittenbach sagen, so wird sofort klar, dass sie aus dem Herzen sprechen. «Sie sind doch auch Menschen wie wir. Und sie bringen ihre eigene und manchmal unglaublich düstere Lebensgeschichte mit.» Sie erlebten bereit dreimal, wie wichtig für diese Menschen der Kontakt zu den Menschen in der Schweiz, das Leben in einer Familie und eine Beschäftigung sind.

Ein Auge für Tiere

Es war im Frühjahr 2016, als Thekla und Walter Keller von einem Fütterungsberater eine Empfehlung bekamen. «Es ging um eine Stelle für den Eritreer Neguse», erzählen sie. «Als er sich vorstellte, schlossen wir ihn mit seiner herzlichen Art sofort in unsere Herzen.» Mit allen Bewilligungen ausgestattet, trat Neguse seine Stelle an. Er beschäftigte sich anfangs vor allem mit den Schweinen.

Das sagte ihm aber nicht  richtig zu, obwohl er die Ferkel genau beobachtete und sofort merkte, wenn bei einem etwas nicht stimmte. Kellers schlugen ihm vor, dass er das Melken erlernen soll. «Das ging sehr schnell, und auch hier zeigte sich, dass er ein gutes Auge hat für die Tiere und alle genau kannte. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er zu Hause in Eritrea rund 60 Kühe betreute.» Seine Arbeit entfiel allerdings, als Kellers vor zwei Jahren einen Melkroboter anschafften. Kommt dazu, dass Neguse seine Familie nachziehen konnte.

Guter Lehrabschluss

Sein Nachfolger wurde Meron. Seine Geschichte ist deshalb speziell, weil er zwar aus Eritrea stammt, aber in der Schweiz bereits die Oberstufe und eine landwirtschaftliche Attestausbildung absolvieren konnte. «Er war auf der Suche nach einer Lehrstelle, die wir ihm anbieten konnten», sagen Kellers. «Auch er war ein fröhlicher Mann, der sich in der Landwirtschaft wohlfühlte. Von Vorteil war, dass er unsere Sprache beherrschte.» Kein Wunder, dass Meron seine Lehre mit einer sehr guten Note abschloss, unter anderem mit einer 5,5 in der Tierhaltung.

Handwerkliches Geschick

Seit bald einem Jahr nun lebt und arbeitet der Syrer Khalid auf der Brumenau. Er kam über die Gemeinde Wittenbach auf den Hof. «Er ist bereits 49 Jahre alt und hatte in Syrien eine gute Stellung», betonen Kellers. «Mit ihm fühlten wir uns einmal mehr sofort wohl.» Er sei handwerklich sehr geschickt und helfe überall mit.

Im Moment vor allem bei einem Umbau, der vor allem ihre beiden Söhne betreffe. «Besonders beeindruckend ist, dass uns durch ihn das Kriegsgeschehen in Syrien ungewohnt nahe kommt. Wir erleben, wie gross die psychische Belastung immer noch ist.» Mit diesen positiven Erlebnissen ziehen Kellers eine durchweg erfreuliche Bilanz. «Der direkte Kontakt ist sehr wichtig für die persönliche Einstellung gegenüber Flüchtlingen. Nur so kann man sie auch als Menschen wahrnehmen.»

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