7.03.2014 07:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gewässer
Flüsse mäandern viel stärker als angenommen
Flussläufe verschieben sich über grosse Zeiträume hinweg viel stärker, als Wissenschaftler bisher angenommen hatten. Dies berichten Schweizer und US-Forscher im Fachblatt «Science». Mit ihrer Berechnungsmethode lassen sich die Wege von Flüssen in der Vergangenheit und der Zukunft modellieren.

Die Methode von Sean Willett von der ETH Zürich und Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) bestimmt das Ungleichgewicht zwischen Flusssystemen. Dieses entsteht durch Erosion oder die Tektonik des Untergrunds. Wenn etwa zwei Flüsse um einen Berg fliessen, dessen Hänge auf der einen Seite steiler sind, wird er im Laufe mehrerer Millionen Jahre auf einer Seite schneller abgetragen.

Flüsse graben einander Wasser ab

Die Flussarme verschieben sich, bis die Flusssysteme im Gleichgewicht sind. «Dabei kann sogar ein Fluss einem anderen buchstäblich das Wasser abgraben und sein Flussbett nahezu trocken legen», erklärte Willett in einer Mitteilung der ETH vom Donnerstag. Genau das passiert offenbar derzeit im Südosten der USA in einem der drei Flusssysteme, an denen die Forscher ihre Methode getestet haben: Der Savannah River gräbt dem Apalachicola River das Wasser ab. Hydrologen hätten vor Ort bereits Anzeichen dafür gefunden, dass dies tatsächlich geschieht.

Dies sei unerwartet, erklärte Willett, wurde doch die Gegend seit hunderten Millionen Jahren nicht durch Kontinentaldrift oder Erdbeben verändert. Offenbar könne es mehrere hundert Millionen Jahre dauern, bis ein Gleichgewicht erreicht ist - bisher seien Forscher von einer bis zehn Millionen Jahren ausgegangen.

Einfluss auf Artenvielfalt

Gemäss der Berechnungen verändern sich die Flüsse auf dem tektonisch stabilen Lössplateau in China hingegen nicht mehr stark. Ein hohes Ungleichgewicht machten die Forscher jedoch auch in der erdgeschichtlich relativ jungen östlichen Zentralkette Taiwans aus.

Da Flüsse Grenzen zwischen Ökosystemen und damit zwischen Tier- und Pflanzenarten bilden, hänge die Artenvielfalt direkt von ihrer Dynamik ab, schrieben die Forscher. So habe die grosse Biodiversität des US-amerikanischen Südostens - eines der weltweiten Artenhotspots - vermutlich auch damit zu tun, dass sich die dortigen Flusssysteme wandeln.

Ihre Berechnungsmethode sei somit ein Werkzeug, um zu verstehen, wie die Landschaft samt der Lebewesen darin im Laufe der Jahrmillionen geformt wurde - und sich in Zukunft verändern wird.

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