19.07.2013 16:31
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Essen
Forscher finden «Essbremse» im Gehirn
Fruchtbarkeit hält schlanker: Nervenzellen im Gehirn, die Sexualität steuern, können nach einer neuen Studie auch das Körpergewicht beeinflussen. Diesem Mechanismus kamen Forscher am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung im deutschen Bad Nauheim auf die Spur.

Er könnte erklären, warum viele Frauen nach der Menopause  zunehmen, berichteten die Wissenschaftler am Freitag. Auch Männer  könnten deshalb jenseits der 50 mehr Kilos auf die Waage bringen -  bei ihnen sei es nur ein schleichender Prozess.

Bekannt war bisher, dass extremes Übergewicht die Fruchtbarkeit  einschränkt. Die auf Mäusen beruhende neue Entdeckung der  Max-Planck-Wissenschaftler weist nun darauf hin, dass dieses  Prinzip auch umgekehrt gilt: Lässt die Fruchtbarkeit nach, steigt  das Körpergewicht. Dieses Ergebnis sei auf den Menschen  übertragbar, da es im Kern um ein ganz spezielles Gen gehe, das  auch der Mensch trage, sagt Institutssprecher Matthias Heil.

Für ihre Versuche schalteten die Forscher bei einem Typ von  Gehirnzellen von Mäusen das Gen Nscl-2 ab. Es regt viele  Nervenzellen zu bestimmten Aufgaben an. Zu Beginn der Pubertät  sorgt es zum Beispiel für die Ausreifung der Geschlechtsorgane und  für sexuelles Verlangen. 

Wie die Forscher nun herausfanden, steuert es in Wechselwirkung  mit einem weiteren Typ von Nervenzellen aber auch die  Stoffwechselaktivität. Die so angeregten Nervenzellen geben dem  Gehirn zum Beispiel Auskunft über verfügbare Fettreserven und  regulieren auf diese Weise das Hungergefühl mit. 

Mit dem Alter fällt Gen weg

Im Alterungsprozess des Menschen fällt dieses Gen wahrscheinlich  auf natürliche Weise weg. «Es wird nicht mehr aktiviert, vielleicht  ist dieser Typ Nervenzellen auch gar nicht mehr vorhanden», sagt  Heil. Dadurch hätten Frauen nach den Wechseljahren unter Umständen  kein natürliches Gespür mehr dafür, wann sie aufhören sollten zu  essen. Männer blieben von dieser fehlenden «Essbremse» mit  zunehmenden Alter aber auch nicht verschont.

Für Gewichtszunahme nach der Menopause gibt es bisher  unterschiedliche Erklärungen, zum Beispiel eine hormonell bedingte  Umstellung des Stoffwechsels. Dass aber auch Gene und Nervenzellen  dabei eine Rolle spielen könnten, sei neu, schreiben die Forscher  in der Fachzeitschrift «Journal of Neuroscience». 

Ob die Entdeckung des Gen-Mechanismus dazu beitragen kann, die  altersbedingte Gewichtszunahme beim Menschen zu beeinflussen, soll  nun in weiteren Studien untersucht werden.

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