27.07.2013 06:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Pamela Fehrenbach
Esaf 2013
«Frauen schwingen weniger explosiv»
Esaf-Hostess Valeria Siegenthaler fühlt sich nicht nur neben, sondern auch im Sägemehl zu Hause. Die Schwingerin hofft, dass der Glanz des «Eidgenössischen» auch ein bisschen auf den Frauenschwingsport abstrahlt.

Die 15-jährige Valeria Siegenthaler aus Schangnau BE wird als eine von neun Hostessen Gäste des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests betreuen. «Ich freue mich sehr auf dieses Erlebnis und fühle mich sehr geehrt, dass ich als Hostess dabei sein darf.» Während die 16 Ehrendamen für die Repräsentationsaufgaben und die Ehrung der Schwinger zuständig sind, wirken die Hostessen eher im Hintergrund und betreuen die Gäste. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, auf welche die jungen Frauen gemeinsam vorbereitet werden. «Wir wurden zum Beispiel bezüglich Umgang mit den Gästen geschult, etwa, wie wir uns in speziellen Fällen verhalten können.» Auch Schwingsport-Theorie wurde gebüffelt. Die leichteste Übung für Valeria Siegenthaler, ist sie doch selber Schwingerin.

Schwingen «fägt»

Seit bald drei Jahren steigt die aufgestellte junge Frau in die Schwinghosen. Auf die Idee kam sie durch ihren Bruder Andri, der bei den Jungschwingern des Schwingklubs Siehen schwingt. «Die Dynamik, das Kräftemessen, das hat mich fasziniert.» Zuerst hat sie zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Bruder bei den Jungs im Schwingklub Siehen trainiert. Bis 12-jährig schwingen Mädchen mit den Buben zusammen, danach treten sie dann ausschliesslich an den Mädchen- und Frauenschwingfesten an.

Berner Schwingerin

Heute trainiert Valeria Siegenthaler regelmässig in Thun –  mit den Berner Frauen. «Mittlerweile trete ich für die Bernerinnen an», sagt sie, die mit dem Schwingen ja eigentlich im Schwingklub Siehen begonnen hat. «Es gibt halt immer noch nicht so viele Mädchen und Frauen, die schwingen, dementsprechend wenige Frauenklubs und -feste gibt es», bedauert sie.

Jedes Jahr eine Königin

Tritt sie dieses Jahr noch in der Kategorie «Meitli 1» an (13–15 Jahre), gilt es ab nächstem Jahr, den aktiven Schwingerinnen Paroli zu bieten. In fünf bis sechs Schwingfesten messen sich  die rund 80 Schwingerinnen, die Schwingerkönigin wird jährlich erkoren. Sie  ermittelt sich, anders als bei den Männern, durch die erreichte Punktzahl an allen Festen. «Die Punkteliste hatten wir also früher als die Männer» schmunzelt Valeria.  

Gut akzeptiert

Der Frauenschwingsport ist nicht neu, seit 1989 wird die Schwingerkönigin gekürt. Doch der Sport hat einen schweren Stand, scheint für viele nicht attraktiv. «Klar, wir Frauen schwingen vielleicht etwas weniger explosiv, weniger draufgängerisch.» Im Gegensatz zu früher werden aber die Schwingerinnen heute akzeptiert, «mich hat noch nie jemand wegen meines Sports ausgelacht», so Valeria. Doch viel lieber als über Frauen- oder Männerschwingen redet sie über den Sport generell. «Ich freue mich sehr, dass Schwingen so populär ist und das Esaf so viel Aufmerksamkeit bekommt. Und wenn dadurch das Frauenschwingen auch wieder etwas ins Gespräch kommt, umso besser», lacht sie.

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