25.04.2019 10:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Frühlingserwachen auf der Pfidertschegg
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin und Landwirtin.

Ich weiss, ich bin ungeduldig, und wenn es um die erste Frühlingswanderung auf die Pfidertschegg geht, erst recht. Am Gründonnerstag war es endlich soweit. Gemeinsam mit Onkel Kurt vom Stöckli und Töbu brachen wir auf, um in das Abenteuer zu starten.

Wenn der Junge im Mann erwacht…

Zugegeben, eigentlich hätte man bloss bis zum Zugschwand fahren können, denn noch immer liegt stellenweise viel Schnee auf der Strasse. Doch in Töbu erwachte grosse Abenteuerlust und er versuchte immer und immer wieder mit dem Jeep durch den Schnee zu fahren. Vorwärts – rückwärts und dann wieder vorwärts. Es war wie ein "Game", doch schlussendlich schaffte er wieder einen Schneehaufen. Nach etwa 300 Metern auf der neuen Strasse war dann definitiv Schluss.

Kraft der Natur

Es mag vielleicht esoterisch klingen wenn ich behaupte, man spüre die Kraft der Natur. Doch genauso ist es mir ergangen. Der nasse Fleck vom erst kürzlich geschmolzenen Schnee ist noch sichtbar und schon spriessen die Krokusse in ihren wunderschönsten Farben. Wie kleine silberweisse und violette Perlen sieht es aus. Gar an den kahlen Böschungen der neuen Strasse, wachsen bereits die ersten Frühlingsboten. 

Wer hier nicht glücklich ist, der wird es nirgends auf der ganzen Welt sein. Ich liebe dieses Gefühl, könnte stundenlang beobachten und staunen. Es ist wie ein Zaubertrank, der das Bergfieber definitiv auslöst.

Ostermontag – Pfidertschegg zum Zweiten

Obwohl es Sonntag ist, war ich am Ostermontag nicht abgeneigt, als Töbu mir mitteilte, dass wir auf die Pfidere arbeiten gehen. Mit zwei weiteren Helfern machen wir uns auf den Weg. Haarscharf schafften wir sogar eine wackelige und nicht weniger abenteuerlustige Fahrt bis ganz nach oben. Die Männer wollten das alte Tenne, welches  fast jeden Winter vom Schnee zusammengedrückt wird, wegräumen. Spontan entschieden sie sich, eine neuen, stabilere Konstruktion zu bauen- aus dem Restholz versteht sich. 

So hatte ich Zeit, der Hütte wieder etwas Wohnliches einzuhauchen. Feuer wurde gemacht, alle Fenster geöffnet und die Böden geputzt. Bald wich der fahle Geruch einer frischen Frühlingsbrise und das Knistern im Holzofen machte es wohlig und heimelig. Doch hielt ich mich nicht lange drinnen auf. Die Krokusse wollten bestaunt werden. Ich legte mich einige Minuten hin bis ich merkte, dass der Boden doch noch nicht ganz so trocken ist. Gerne würde ich für immer hier oben bleiben.

Besuch einer Schulklasse

Doch das geht nicht. Am Dienstag erwartete ich eine Schulklasse. Sie haben derzeit das Thema Bauernhof und wollen sich einen Augenschein von der Praxis nehmen. Nach einem Rundgang, putzten wir drei Kühe, stellten anschliessend selber Butter her und besprachen die tierischen Produkte zum Zvieri.

Besonders aufgefallen sind mir die verschiedenen Interessen. Während einige vor allem technische Details wissen wollten, oder welche Maschine wie funktioniert, verweilten andere lieber lange bei den Tieren. Wiederum nutzten andere die Zeit, um mit einem Holz-Stöcken Muster in einen Kuhfladen zu zeichnen. Ich war erstaunt über die vielen Fragen, auf welche ich teilweise selber kaum eine Antwort wusste. Beispielsweise wollte einer wissen, ob Bio-Milch besser sei, ob man da einen Unterschied merken würde. 

Ich bin froh, widerstand ich dem Versuch auf der Pfidertschegg zu bleiben. Denn mit dem Besuch der Schüler und Schülerinnen konnte ich eine weitere wertvolle Erfahrung in mein Rucksäckchen packen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir wenigstens einen kleinen Beitrag für das Image der Landwirtschaft leisten können und solche Fragen dann eben auch ehrlich und kritisch beantworten. 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE