18.06.2015 10:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ernährung
Fruktose kann Herzvergrösserung und Herzversagen auslösen
Fruchtzucker (Fruktose) findet sich nicht nur in Früchten, sondern auch in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln. Forscher der ETH Zürich haben nun einen Mechanismus gefunden, durch den Fruktose gefährliche Veränderungen am Herzen auslösen kann.

Fruktose galt als weniger schädlich als Glukose (Traubenzucker), die den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Insbesondere Fertigprodukte, Limonaden, aber auch die vermeintlich gesunden Fruchtsäfte enthalten künstlich beigegebenen Fruchtzucker - oft in grossen Mengen, wie die ETH Zürich am Mittwoch mitteilte.

Der Nachteil: Die Leber wandelt Fruktose sehr effizient in Fett um. Nahrungsmittel mit hohem Fruktoseanteil können bei regelmässigem Konsum zum Metabolischen Syndrom führen, einer Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen, die als Hauptrisikofaktor für koronare Herzkrankheiten gilt.

Tödliches Herzversagen

Doch nun fand ein Team um Wilhelm Krek von der ETH Zürich einen bislang unbekannten molekularen Mechanismus, durch den Fruktose das unkontrollierte Wachstum des Herzmuskels auslösen kann, was bis zum tödlichen Herzversagen führen kann. An der Arbeit, die im Fachjournal «Nature» erschienen ist, waren auch Kollegen von der Universität Lausanne, aus Deutschland und Grossbritannien beteiligt.

Leidet der Mensch unter Bluthochdruck, muss das Herz wachsen, um das Blut stärker in den Kreislauf pumpen zu können, und verbraucht dazu viel Sauerstoff. Da es bald an diesem mangelt, stellen die Herzzellen auf einen sauerstoffsparenden Zuckerstoffwechsel um, die Glykolyse. Diese baut sowohl Glukose als auch Fruktose ab, um deren Energie freizusetzen.
Der Sauerstoffmangel ruft gemäss der neuen Studie ein Molekül auf den Plan, das immer bei krankhaften Wachstumsprozessen, sei es bei Herzvergrösserung oder Krebs, in Aktion tritt. Dieser molekulare Schalter sorgt dafür, dass ein Enzym gebildet wird, das Fruktose sehr effizient verarbeiten kann. Das Enzym verstärkt ausserdem die Glykolyse.

Teufelskreis

Dies bedeutet, dass der Fruktose-Metabolismus immer stärker angekurbelt wird, denn es gibt bei Fruktose keine negative Rückkopplung als «Bremse». Es entsteht ein Teufelskreis, der zum Herzversagen führen kann. Schalteten die Forscher das Enzym bei Mäusen mit chronischem Bluthochdruck gentechnisch aus, verhinderte dies das Herzmuskelwachstum.

Die Forscher überprüften die Bedeutung des Mechanismus zudem bei echtem Herzgewebe, das Patienten entnommen worden war, die an krankhafter Herzvergrösserung und entsprechender Verengung der Herzklappe zur Hauptschlagader litten. Tatsächlich fanden sich dort sowohl höhere Mengen des Enzyms als auch des molekularen Schalters.

Fruktose findet sich vor allem in Süssgetränken und Limonaden in grossen Mengen, aber auch in Fertiggerichten als Geschmacksverstärker. In den USA stieg so der Konsum von stark fruktosehaltigem Maissirup zwischen 1970 und 1997 von 230 Gramm pro Jahr und Kopf auf über 28 Kilogramm.

«Dieses Surplus an Fruktose kann bereits dazu beitragen, den von uns beschriebenen Mechanismus in Gang zu setzen, wenn ein Stressfaktor wie Herzklappenerkrankungen oder Bluthochdruck vorhanden ist», betonte Mitautor Peter Mirtschink von der ETH Zürich. Der Verzehr einer normalen Tagesration Früchte ist laut den Autoren aber unbedenklich und gesund.

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