Samstag, 6. März 2021
27.01.2021 08:00
Deutschland

Gasdichte Güllelagerung noch nicht praxisreif

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: AgE

Zukünftig soll laut Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Minderung der Methanemissionen
mindestens 70 % der Gülle gasdicht gelagert werden.

Wie das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) am Montag vergangener Woche mitteilte, kam eine eigene Expertengruppe nun jedoch zu dem Ergebnis, dass für eine Reihe technischer Herausforderungen noch Entwicklungsbedarf besteht. In ihrem Abschlussbericht stellt die Gruppe fest, dass „die gasdichte Güllelagerung noch nicht reif für die breite Praxis ist“. Die technische Machbarkeit und praktische Umsetzung müssten noch geprüft werden.

So könne die in der Biogaserzeugung gebräuchliche gasdichte Abdeckung von Gärrestbehältern mit Doppelmembrandächern nicht ohne Weiteres auf Behälter für unvergorene Gülle übertragen werden. Den anders als ein Fermenter werde der Güllebehälter immer wieder geleert und anschliessend sukzessive befüllt. Dies führe anfangs zu geringen Gasbildungsraten und einer starken Verdünnung des Gases aufgrund des grossen Kopfraumvolumens über dem Güllespiegel. Mit zunehmender Befüllung steige die Gasbildung
deutlich an und erreiche schliesslich Biogasqualität.

Behandlung ohne Zufeuerung nicht möglich

Laut KTBL kann dieses Spektrum der Methankonzentration und Gasmenge derzeit aber von keinem der gängigen Gasbehandlungsverfahren abgedeckt werden. In den ersten Wochen sei daher eine Behandlung ohne Zufeuerung nicht möglich. Zudem bilde sich im Gasspeicher über einen längeren Zeitraum ein in Gegenwart von Sauerstoff explosionsfähiges Gasgemisch. Dies erfordere besondere Sicherheitsvorkehrungen bei Technik und Management.


Als alternative Abdeckung bieten sich den Experten zufolge gasdichte Schwimmfolien mit Gasfassung an, die derzeit auf ersten Biogasanlagen für die Abdeckung von Gärrestlagerbehältern eingesetzt werden. In diesem Fall komme es nicht zu einer Verdünnung des entstehenden Gases und es könne von Beginn
an mit Biogasqualität gerechnet werden.

Rechtliche Bedingungen unerlässlich

Die Gasbildungsraten hingegen änderten sich durch den Einsatz einer Schwimmfolie nicht, so dass auch hier zunächst mit Strom oder Propangas zugeheizt werden müsse. Bevor die gasdichte Güllelagerung neben der Biogaserzeugung als Klimaschutzmaßnahme eingeführt werden kann, sind laut KTBL zudem klare und langfristig gültige rechtliche Bedingungen für die betroffenen Betriebe unerlässlich.

2 Responses

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE