18.07.2013 14:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Hunde
Gassi gehen mit Hunderudel - bewilligungspflichtig?
Ein Spaziergang mit mehreren Hunden kann ein gefährliches Unterfangen sein. Im Kanton Genf benötigen so genannte Hundesitter deshalb eine Bewilligung, im Kanton Bern dürfen seit kurzem höchstens drei Hunde gleichzeitig ausgeführt werden. Auch andere Kantone wollen ihre Gesetze verschärfen.

«Hunde sind im Rudel viel gefährlicher als ein einzelner Hund  alleine», sagt der Neuenburger Kantonstierarzt Pierre-François  Gobat. Die Hunde würden sich gegenseitig anstacheln und wenn ein  Tier eine Person bedrohe, bestehe die Gefahr, dass die anderen  folgten. Im Kanton Neuenburg soll deshalb künftig jeder eine Bewilligung  benötigen, der mit mehr als zwei Hunden, die ihm nicht gehören,  spazieren geht. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, der bis  September in der Vernehmlassung ist. 

Zurzeit gibt es in der Schweiz erst vereinzelt Bestimmungen, wie  viele Hunde maximal gleichzeitig ausgeführt werden dürfen. «Solche  Vorschriften sind noch nicht sehr verbreitet, sie sind aber im  Kommen», sagt Andreas Rüttimann, Jurist bei der Stiftung für das  Tier im Recht (TIR). Als Beispiel nennt er Appenzell-Ausserrhoden: Dort ist momentan  ein Gesetzesentwurf in der Vernehmlassung, der das Ausführen von  mehr als drei Hunden verbieten würde.  Appenzell-Ausserrhoden folgt damit dem Beispiel des Kantons  Bern: Dort dürfen seit Anfang Jahr höchstens drei Hunde  gleichzeitig spazieren geführt werden. Diese Vorschrift gilt  grundsätzlich auch für Hundesitter, die einen Spazierdienst  anbieten, wie Monika Bernoulli, Sprecherin des Veterinärdienstes  des Kantons Bern, auf Anfrage erklärt.  Eine Ausnahme ist nur vorgesehen für Personen, die  hundespezifische Ausbildungen - etwa als gewerbliche Hundehalter  oder Züchter - vorweisen können. «Hunde in Rudeln stellen ein  grösseres Gefahrenpotenzial dar», begründet Bernoulli die Regelung.

Guter Leumund ist Pflicht 

Der erste Kanton, der bezüglich Hundesitter ein Gesetz erliess,  war Genf. Seit knapp zwei Jahren benötigt jeder eine Bewilligung,  der mit mehr als drei Hunden, die ihm nicht gehören, spazieren  gehen will. Wer eine solche Bewilligung erhalten will, muss unter anderem  gute Hundekenntnisse und ein amtliches Leumundszeugnis vorweisen.  Zudem darf ein Hundesitter auch mit Bewilligung nie mehr als fünf  Hunde gleichzeitig ausführen, selbst wenn darunter eigene Tiere  sind. 

Einen ähnlichen Weg beschreitet nun der Kanton Neuenburg. Dort  soll künftig eine Bewilligung notwendig sein, sobald jemand mit  mehr als zwei Hunden, die ihm nicht gehören, Gassi geht. Derzeit könne man die Hundesitter zwar noch an einer Hand  abzählen. Aber man wolle Massnahmen ergreifen, bevor es Probleme  gebe, sagt Kantonstierarzt Gobat. «Wir wollten insbesondere  vermeiden, dass sich eine Person ohne jegliche Kompetenz in diese  Tätigkeit stürzt, weil sie denkt, sie könne damit leicht Geld  verdienen.»

Längere Ausbildung für Hundesitter 

Die meisten Deutschschweizer Kantone, unter ihnen etwa auch  Zürich, verlangen derzeit keine spezifische Bewilligung für  Hundesitter. Auch Vorschriften, wie viele Hunde gleichzeitig  ausgeführt werden, sind rar. Für Personen, die Hunde-Spazierdienste anbieten, dürfte sich  dennoch bald etwas ändern: Der Bund will die Ausbildungspflicht  gewerbsmässiger Hundesitter verschärfen. Bisher müssen diese wie  die Hundehalter lediglich einen Sachkundeausweis vorweisen, wie  Jurist Rüttimann erklärt.  Mit der Revision der Tierschutzverordnung soll dies geändert  werden. Der Entwurf sieht vor, dass Hundesitter, die mehr als fünf  Hunde betreuen, künftig eine fachspezifische, berufsunabhängige  Ausbildung machen müssen. «Das würde bedeuten, dass Hundesitter  eine längere Ausbildung, die höhere Anforderungen stellt,  absolvieren müssten», sagt Rüttimann.

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